Reiſeluſt. 249
— Zur Eichenruhee. Eichen hat's genug da oben und ruhig iſt es auch mit Ausnahme des Sonntag Nachmittags, wo ſie alsdann gerne von Windsheim heraufkommen, um bei uns Kaffee zu trinken.“
„Sie bleiben hier in Neuſtadt?“ rief der Zugmeiſter mit einem von Eifer gerötheten Geſichte unſerm Reiſenden zu,„ſonſt—“
„Fahren Sie mit Gott!“ rief Herr Schmauder in einem un⸗ verkennbaren Tone der Befriedigung, dann wandte er ſich raſch gegen den Wirth zur Eichenruhe und ſagte:„Ich bin nach Franken gereist, um in irgend einem ſtillen friedlichen Wirthshaus ein paar ruhige Tage zu verleben— wollt Ihr mich mitnehmen? Aber nach einem möchte ich mich vorher noch erkundigen; gibt es in Windsheim einen Turnverein?— eine Liedertafel?— einen Schützenverein?— hat es dort viele Bienenzüchter?— könnte es geſchehen, daß ſich dort in der nächſten Zeit Theologen zuſammen⸗ fänden, oder Philologen, oder Forſt⸗ und Landwirthe, oder Müller, Flößer und Künſtler, um dort zu tagen?“
Worauf der Andere lachend zur Antwort gab:„Nein, nein, den Schwindel überlaſſen wir größeren Orten— bin ich doch eigens hieher gefahren, um mir das Treiben der Flößer und der Geiſt⸗ lichen anzuſchauen, habe aber ſobald genug gekriegt, daß ich nicht einmal ausſpannen ließ.“
„Wie mich das freut— alſo wir können gleich weiter fahren?“
„Im Augenblick, kommen Sie nur.“
Bald ſaßen ſie auf dem ländlichen, aber bequemen Wägelchen, vor das zwei kräftige Braune geſpannt waren. Der Wirth zur Eichenruhe ergriff die Zügel, ſchnalzte mit der Zunge und dahin flogen ſie, bequem ſitzend, in die freie, würzige Luft, angefächelt von einem leichten Windhauche, und als der Oberreviſor zurück⸗ blickend den ſchwarzen Eiſenbahnzug gen Würzburg dampfen ſah, da konnte er ſich nicht enthalten, ſein Inneres durch ein tief em⸗ pfundenes„Gott ſei Dank“ zu erleichtern.
„Und das iſt die Aiſch,“ ſagte ſein Nachbar und zeigte mit


