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und ſetzte hinzu:„Nach Bamberg und Würzburg wird es augen⸗ blicklich weiter gehen, wir kommen eine halbe Stunde zu ſpät.
In der Richtung der erſteren Stadt lag auch das Ziel unſeres Reiſenden— er hatte auf Nürnberg gehofft, dort verließen ja ſämmtliche Schützen den Wagen, und obendrein hatte er beſchloſſen, ſich für die letzte Strecke ſeines Weges zur zweiten Klaſſe aufzu⸗ ſchwingen, wo er doch ſicher ſein durfte vor Sänger⸗ und Turn⸗ vereinen, und wo er auf bequemem Sitze ſeinen müden Körper und ſeinen noch müderen Geiſt ausruhen laſſen konnte.
„Alles ausſteigen!“ rief der betreffende Beamte auf dem nürn⸗ berger Bahnhofe den Schützen zu, bei denen ſich auch unſer Reiſen⸗ der befand,„dieſe Wagen werden abgehängt und nach Bamberg und Würzburg wird weiter vornen eingeſtiegen— doch bitte ich, ſich möglichſt zu beeilen, der Zug wird im Augenblicke abgehen.“
Alſo den Nachtſack in die Hand genommen, die Mütze feſter in die Stirne gezogen und nun von Schweiß triefend in einem animirten Hundetrab durch die ganze Länge des Bahnhofs, wo ſich die neue Lokomotive ziſchend und rauchend ſo ungeberdig und ungeduldig anſtellte, als habe ſie nur darauf gewartet, daß Herr Schmauder einſteigen werde, um hierauf mit gellendem Pfiffe loszugehen; ja ſie hatte es ſo eilig, daß die Thüre hinter dem Einſteigenden ſo raſch und energiſch zugeſchlagen wurde, daß er ſchneller, als dieſes ſonſt wohl geſchehen wäre, auf den einzigen noch freien Platz befördert wurde.
Alles das ging mit ſolcher Eile und Alles ging mit ſolcher Haſt, daß der Oberreviſor bereits auf den viel weicheren Kiſſen der zweiten Klaſſe ſaß und daß der Zug ſchon aus dem Bahnhofe hinaus war, ehe er Zeit hatte zur Beſinnung zu kommen, und obendrein wurde er noch auf eine für ihn ſehr unangenehme Art in die Wirllichkeit zurückverſetzt: der Schaffner, der jetzt erſt an der Thüre des Coupé's erſchien, um die Karten zu löchern oder abzunehmen, machte beim Betrachten derjenigen unſeres Reiſenden ein ſehr verwundertes Geſicht und rief:„Mein Herr, Sie befinden
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