Teil eines Werkes 
51. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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Reiſeluſt. 241

Boden ausgießt ſtatt zum Fenſter hinaus, wenn ich ihn plötzlich an der Gurgel packte und ein wenig zu würgen verſuchte was könnte mir geſchehen? Vielleicht würde ich auf der nächſten Station hinausgeworfen, hinaus aus dieſem Hitz⸗, Schwitz⸗ und Qualmkaſten in Gottes ſchöne, freie Natur; vielleicht auch ſperrten ſie mich, wenn ſie Urſache zu haben glaubten, an meinem Verſtande zu zweifeln, in einen Gepäckwagen oder vielleicht ſogar in eine Hunde⸗ abtheilung. Das dachte unſer Reiſender und war phyſiſch und moraliſch ſo heruntergekommen, daß er ſich den Aufenthalt in einer Hundeabtheilung durchaus nicht ſo abſchreckend vorſtellte.

Und doch waren alle die Leute, mit denen er fuhr, gute, harmloſe Menſchen, die nicht minder von der Hitze litten, welche aber gute Miene zum böſen Spiele machten, ſich auf das Nachmit⸗ tagsſchießen in Nürnberg freuten, dabei aber in Ausdrücken ſprachen, welche dem Herrn Schmauder durchaus nicht verſtändlich waren und die ihn als förmlich ſinnlos umrauſchten. Was wußte er von Stand⸗, Feld⸗, Kehrſcheibe, was von Stecher, Schnapper und Haupt, von Nummern und Zeiger, von ſchwarzer, von rother, von gelber Fahne, von Auflegen und Freihandſchießen?

Ihm wurde von alle Dem ſo dumm, Als ging ihm ein Mühlrad im Kopfe herum.

Und dabei hatte auch dieſer Zug ſeine gehörige Verſpätung und auf Stationen, wo man fünf Minuten hätte halten ſollen, um ein wenig Luft zu ſchöpfen oder ſich die Glieder wieder gelenkig zu machen, öffneten die Schaffner eilfertig die Thüren, um ſie in der nächſten Sekunde wie zum Hohne wieder zuzuſchlagen und zu verriegeln ſo hatte man beim Anblick von Gunzenhauſen's ſaftig⸗appetitlichen Würſtchen und kühlen Bierkrügen Tantalus⸗ qualen, da es nur wenigen Glücklichen gelungen war, wie im Fluge etwas zu erhaſchen da ſauste man an Pleinfeld, Roth, Schwa⸗ bach vorüber, da zuckte der wahrheitsliebende Schaffner die Achſeln, wenn man ihn um die Länge des Aufenthalts in Nürnberg befragte,