Reiſeluſt.
„Ihr ſeid aber auch ſo erſchrecklich eigenſinnig— gerade eure Leimſiederei auf den ſchönſten Platz der ganzen Gegend zu ſetzen— da— ſchaut hinaus, da könnt ihr ſchon die mächtigen alten Bäume ſehen— muß Einem nicht das Herz im Leibe wehe thun, wenn man bedenkt, daß Alt und Jung ſich dort künftig während der Mittagshitze nicht mehr aufhalten darf— ſeid geſcheidt und laßt uns übereinkommen und wenn es nur deßhalb wäre, um ſolche Neidhämmel zu ärgern, wie den Kerl da mit der geſchwolle⸗ nen Naſe.“
„Ihr habt uns noch keinen annehmbaren Vorſchlag gemacht.“
„Doch, doch!“ klang es dieſſeits.
„Nein, nein!“ tönte es jenſeits.
„Wir haben euch den Steinacker weiter oben angeboten und zweitauſend Gulden gegen das Kreuzlesthäle, mehr könnt ihr nicht verlangen, da der Werth des ganzen Grundſtücks nicht tauſend Gulden beträgt— ſeid geſcheidt— warum Feindſchaft unter Nachbarn?“
„An der Feindſchaft trägt allein der Schloſſer Schuld, der hat immer gehetzt und gewühlt.“
„So mache ich auch einen Vorſchlag,“ rief eine ſo dünne Stimme, daß dem Beſitzer derſelben offenbar keine große Kraft zuzutrauen war,„wir wollen den Steinacker nehmen und die zweitauſend Gulden, dann muß ich aber das Recht haben, den Schloſſer Bärer durchzuprügeln.“
Alle lachten und der Betreffende ebenfalls, und dieſes Lachen war der erſte Schritt zur Verſöhnung, welche denn auch ſo raſch vor ſich ging, daß beide Parteien einig waren, als die Locomolive auf der nächſten Station anhielt.
„Alſo abgemacht!“ ſchrie der rieſige Schloſſer,„und ſtatt hinaus in's Kreuzlesthäle, gehen wir in's Wirthshaus und Arm in Arm durch den nächſten Wagen hindurch, daß der Kerl mit ſeiner ge⸗ ſchwollenen Naſe ſich grün und gelb ärgert.“
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