Teil eines Werkes 
51. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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Reiſeluſt. 229

Herr Schmauder riß den Nachtſack unter der Bank hervor und folgte aufs Tiefſte gekränkt mit heftig klopfendem Herzen und zittern⸗ den Knieen dem Zugmeiſter in den anſtoßenden Wagen, wo er auf eine Bank niederſank neben jenem jungen Mann mit dem braunen Reiſeſack, der vorhin ſo ſchmerzlich Abſchied genommen. Der braune Reiſeſack ſtand gegenüber auf der andern Bank, und als unſer tief gekränkter Reiſender jetzt abermals die Worte las: Ewig Deine Anna! ſo überkam ihn ein wehmüthiges Gefühl und er dachte ſchmerzlich bewegt an ſein Weib und an ſeine Kinder.

„Was war denn das eigentlich für ein Kerl?“ frug der Schloſſer Bärer nach einer großen Pauſe.

„Ein verdächtiges Geſicht, die geſchwollene Naſe, gerade als wäre er heute Morgen ſchon in einer Balgerei geweſen.“

„Und ſich in Sachen zu miſchen, die ihn nichts angehen.“

„Es gibt ſolche Leute, die ſich ein Vergnügen daraus machen, Andere zu verhetzen.“

„Man ſoll ſich aber nicht verhetzen laſſen,“ vernahm man auf der andern Seite des Wagens,„ja ſich nicht verhetzen laſſen, ich wiederhole es, und nicht gleich heftig werden.“

„Ja, Bärer, darin haſt Du wieder einmal gefehlt— weiß der Henker, daß Du Dein Maul nicht aufthun kannſt, ohne grob zu werden.“

„Das kommt vom Schmiedeſeuer,“ gab der Schloſſermeiſter, deſſen Zorn ſich gelegt hatte, heiter zur Antwort,„man kann es Einem aber nicht übel nehmen, daß man wild wird, wenn ſo ein Subject daherkommt und Einem mir nichts dir nichts über's Maul fährt.“

„Ich glaube, der hat eine geheime Abſicht dabei, uns in Händel zu verwickeln, was ihm beinahe gelungen wäre.“

„Aber nur beinahe— es wäre wahrhaftig ein Skandal vor der ganzen Welt.“