Teil eines Werkes 
51. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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Reiſeluſt. 225 wäre doch ſehr dafür, ſie gütlich zu überreden, ſich einen andern Platz für ihre Knochenſiederei auszuſuchen.“ 3

„O, es iſt himmelſchreiend,“ fuhr der Erſtere mit Entrüſtung fort,„und ſich gerade das Kreuzlesthäle auszuſuchen, den ſchönſten Punkt auf der ganzen Flur mit ſeinem kleinen Bache, ſeinen ſchattigen Bäumen, ſeinen grünen Raſen— gebt nur Achtung, wenn ſie ihre Schändlichkeit auch durchſetzen, ſo wird die Herrlichkeit doch nicht lange dauern, denn alle Bauern und ihre Knechte, die bei jeder Feldarbeit, beſonders aber bei der heißen Ernte dort zu Mittag aßen und veſperten, werden keinen Stein auf dem andern laſſen, und Recht haben ſie— Recht!“ Dabei ſchlug er mit der gewaltigen Hand auf ſeinen Schenkel, daß es laut klatſchte— ja, Recht haben ſie— oder vielleicht nicht?“ wandte er ſich fragend an Herrn Schmauder, der ihm gegenüber ſaß und auf deſſen Geſicht allerdings ein kleiner Zweifel zu leſen war.

Da unſer Reiſender nun Oberreviſor bei der königlichen Do⸗ mänenverwaltung war und er bei derſelben die Abtheilung für Grenzſtreitigkeiten aller Art zu verhandeln hatte, ſo befand ſich der⸗ ſelbe bei dieſer Frage zu ſehr in ſeinem Fahrwaſſer, um dieſelbe, was vielleicht klüger geweſen wäre, mit einem einfachen Achſelzucken zu beantworten; er ſagte darum mit großer Ruhe und vieler Sicherheit:„Wenn ich Sie recht verſtanden habe, ſo wollen Ihre Nachbarn auf eigenem Grund und Boden, der allerdings in Ihre Flur hineinragt, ein induſtrielles Unternehmen gründen?“

„Erlauben Sie mir, eine unwürdige Stinkerei iſt die richtige Benennung.“

Da er dieſes ziemlich laut ſprach, ſo vernahm man von der anderen Seite des Wagens ein ausdruckvolles„Oho!“ als Erwie⸗ derung; auch ſah man mehrere Köpfe ſich emporſtrecken, um dieſer Unterredung zu lauſchen.

„Der Name thut am Ende nichts zur Sache,“ fuhr der Ober⸗ reviſor fort,„auch geht mich ja die Sache durchaus nichts an; wenn Sie