216
Reiſeluſt.
mich unabläſſig bemüht, etwas von dem Weſen dieſer Wahlhand⸗ lung und der darauffolgenden Grauſamkeit zu ergründen, zu welchem Zwecke ich den von mir erfundenen gläſernen Bienenſtock konſtruirte, und kann ich wohl ſagen, daß meine raſtloſen Bemühungen von gutem Erfolge gekrönt worden ſind: es gelang mir nicht nur, das ganze Verfahren des Bienenvolkes bei der Wahl einer Königin zu beobachten, ſondern ich war auch im Stande, durch den höchſt ſinnreichen Mechanismus meines Bienenſtockes eine der zum Tode verurtheilten Bienen abzuſperren und den Händen ihrer grauſamen Verfolger zu entreißen.“
„A— a— a-—ah!“ hörte man von allen Seiten im Tone höch⸗ ſter Befriedigung.
„Ja, meine lieben Freunde und Bienenzüchter, ich war ſo glücklich, dieſelbe ihrem Schickſale zu entziehen und damit ein höchſt wichtiges Experiment zu machen. Unſer verehrter Freund, mein werther Kollege, der Schullehrer von Nebelklingen, wo wir tagen werden, ſchrieb mir von einem Stocke, der einen Schwarm ausge⸗ trieben habe, welchem nun eine Königin als Anhaltspunkt fehlt und welcher deßhalb auseinander zu ſchwärmen und zu verwildern droht— nun möchte ich den Verſuch machen, ob ſich dieſes Volk eine Königin aus fremdem Stamme oktroyiren läßt, und wenn dieſes gelingt, ſo ſcheint mir ein ſehr wichtiges Problem gelöst zu ſein, ſo ſcheint mir das Herrſchen dieſes gewiſſen Stammes als zu Recht beſtehend, was ein ſehr konſervatives Element und vielleicht im Stande wäre, auch die höhere Abſtammung und das Recht des Regierens unſerer eigenen Fürſten zu dokumentiren.
Man hörte hierauf aus der Ecke des Wagens ein paar ſchüch⸗ terne Bravo's, doch ließ die Mehrzahl ein verſchärftes Summen hören, welches faſt wie ein beginnendes Grunzen klang, auch rief eine derbe Stimme:„Keine Politik! es iſt die Hereinziehung der⸗ ſelben nach den Statuten unſeres Vereins verboten.“
„Gewiß, keine Politik!“ fuhr der Redner fort, indem er ſeine


