Reiſeluſt. 217
ſanften hechtgrauen Augen dem Unterbrecher zuwandte,„ich ſtreife nur willenlos, werde mich aber bemühen, wenn Sie mir noch für zwei Minuten Gehör ſchenken wollen, wieder in den richtigen Flug zurückzukommen.“
„Bravo! bravo!“
„Ich werde alſo das Experiment vor Ihren Augen machen, und wenn es gelingt, ſo ſoll Ihr Zeugniß, das der bekannteſten und berühmteſten Bienenzüchter unſeres Landes, darin ein neues, bisher noch unbekanntes Naturgeſetz bekräftigen.“
„Sehr gut!— ſehr gut!— vortrefflich!“ ſummte es von allen Seiten, und als dabei der Redner, welcher ſich mit ſeiner langen Figur erhoben hatte, leuchtenden Blickes um ſich ſchaute und ein kleines Schächtelchen aus der Taſche zog, worin er die Bienenprinzeſſin verwahrte, und als ſich nun Alle haſtig erhoben und ihn neugierig umdrängten, da erſchien dem unparteiiſch zu⸗ ſchauenden Oberreviſor der ganze Eiſenbahnwagen wie ein großer Bienenkorb und er hätte ſich durchaus nicht gewundert, wenn der ganze Verein, den langen, dürren Schullehrer als Bienenkönigin an der Spitze, zu den weitgeöffneten Thüren in die warme Som⸗ merluft hinausgeſchwärmt wäre. Dieſes geſchah nun allerdings nicht, aber etwas anderes nicht minder Bemerkenswerthes, denn irgend ein mit Neid erfüllter Kollege oder das ſtillſchweigende Ver⸗ hängniß erſchien in Geſtalt eines böſen Zufalls und ließ das Schäch⸗ telchen den Fingern des Betreffenden entgleiten, worauf ſich die eingeſchloſſene Bienenkönigin aller weiteren Unterſuchungen dadurch entzog, daß ſie augenblicklich davon flog.
Mochte ſie aber durch die lange Gefangenſchaft etwas betäubt ſein oder ahnte ſie, daß unſer Reiſender hier unter Larven die einzig fühlende Bruſt ſei, genug, ſie erhob ſich an die Decke des Wagens, ſtieß dort an, um alsdann mit ziemlicher Gewalt gegen die Naſe des Oberreviſors zu prallen. Bienen ſind ſehr harmloſe Geſchöpfe, wenn man ſie nicht reizt,


