Be
Reiſeluſt. 215
Regierens bezeichnet— und dabei handhabten ſie ihre Stöcke im Eifer des Geſprächs mit jener elaſtiſchen Gewandtheit und Sicher⸗ heit, welche nur dem Lehrerſtande eigen iſt.
Das Geſpräch, an dem ſich alle Männer auf's Lebhafteſte be⸗ theiligten, wurde in einem leiſen, faſt ſummenden Tone geführt, und dieſer Ton hatte etwas ſo Einſchläferndes, daß unſerem, durch die Anſtrengung der ereignißreichen Fahrt ermüdeten Reiſenden manchmal unwillkürlich die Augen zufielen. In ſolchen Fällen vernahm er auch einzelne Worte der Unterhaltung, die er ſich in⸗ deſſen nicht recht zuſammenzureimen vermochte: man ſprach von Blumenſtaub und von ärmerem und reicherem Zuckerſtoffe dieſes oder jenes Blumenkelchs, auch vom Gewicht der Waben und der Schwere der Stöcke, dann wurde über Schwärmerei im Allgemeinen und im Speziellen verhandelt, auch über die ſtreng monarchiſche Regierungsform, die in gegebenen Fällen ſo außerordentlich lehr⸗ reich ſei, weil man wieder ſo viele republikaniſche Anklänge in ihr vertreten finde— alſo einestheils ein Ringen nach unbegrenzter Freiheit, während anderntheils der Begriff eines Oberhaupts, einer Königin genüge, um das ganze bewegliche, thatkräftige Reich in ſchönſter Ordnung zu erhalten.
„Was überhaupt das Weſen dieſer Königin anbelangt,“ ſagte einer der Herren in langem Rocke und mit weißer Halsbinde,„ſo habe ich das Studium derſelben zu meiner Lebensaufgabe gemacht und glaube zu glänzenden Ergebniſſen gelangt zu ſein; meine lieben Freunde, Vereinsbrüder, deutſche Bienenzüchter,“ fuhr er im
Rednertone fort,„es wäre überflüſſig, Ihnen die Thatſache in Er⸗
innerung zu bringen, daß das Volk der Bienen bei Gründung eines neuen Reichs mit etwas türkiſcher Juſtiz zu verfahren pflegt — Sie wiſſen, daß neben der Wahlkönigin keine dem gleichen könig⸗ lichen Geſchlechte entſproſſene lebend geduldet wird, ſondern daß Alle dieſer erlauchten Familie mit Ausnahme der einzigen erſten ge⸗ tödtet und aus dem Stocke entfernt werden. Jahrelang habe ich
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