Teil eines Werkes 
51. Bd. (1873) Werke
Entstehung
Einzelbild herunterladen

214 Reiſeluſt.

denn Herr Schmauder, der ſehr wenig Wein trank, liebte es nicht, für einen Trunkenbold angeſehen zu werden.

Da hielt der Zug endlich auf der größeren Station, und Herr Schmauder begab ſich in einen ſtillen Winkel des Bahnhofs, nicht der angezeigten Aufſchrift wegen, ſondern um mit ſeinem Taſchen⸗ tuch ſo viel als möglich die Weinſpuren auf Hemd und Weſte zu verwiſchen. Nebenbei hatte er ſich aber auch in dieſe Einſamkeit zurückgezogen, um von dem Abmarſch der ungeheuer heiteren Turner nichts mehr zu ſehen— ſeine Ohren konnte er indeſſen nicht ver⸗ ſchließen, brummte aber in ſehr verdrießlichem Tone:„Auf Nim⸗ merwiederſehen!“ in ähnlicher Weiſe als er ſie davonziehen und fingen hörte:

„Auf, ihr Turner, laßt uns wallen In den lieben, freien Wald,

In der Eichen grünen Hallen Kräft'ger der Geſang erſchallt.

Wo die alten Väter wohnten, Löwenſtark— doch taubentreu,

Wo einſt freie Adler thronten, Sich das Herz erhebet frei.“

Als unſer Reiſender wieder in den Wagen ſtieg, ſah er, daß derſelbe doch nicht ſo leer war, wie er gehofft und gewünſcht, doch hatte er die Ecke wieder allein für ſich, wo ſein Nachtſack lag, und ſeine Mitreiſenden ſchienen ſehr ruhige und anſtändige Leute zu ſein, die meiſten gehörten dem Bauernſtande an und waren feſt⸗ täglich angezogen; zwiſchen ihnen aber bemerkte man andere Herren, welche zu kleinen Gruppen, die ſich dadurch bildeten, daß die Be⸗ treffenden ihre Köpfe ſo nahe wie möglich zuſammenſtreckten, eifrig und wie es ſchien belehrend ſprachen. Dieſe Herren trugen lange ſchwarze Röcke, einige hatten auch weiße, freilich etwas verkümmerte Halsbinden, alle aber trugen ihren Kopf mit einer gewiſſen unver⸗ kennbaren Hoheit und Würde, welche das Recht des Befehlens und

—

„