Der Toreador.
trachtete—„es iſt ſchon lange her, daß wir Euch ſo geſehen haben, Don Ruiz.“
„Und habt mich auch darin ganz vergeſſen, Paula,“ gab er in weichem Tone zur Antwort, ſetzte aber gleich darauf heiter und
übermüthig hinzu,„fort mit allen Erinnerungen— ſie ſollen ruhen
mit meinem ſchwarzen Kleide.“
Dabei wirbelt er ſeine Kaſtagnetten mit einer Gewalt, daß ſie alle anderen übertönten und man zwei Dutzend Caſtaſiuelas zu hören glaubte.
„Fandango— Fandango!“ 3
Der Fandango beginnt, ein Tanz, von dem Du gewiß oft gehört haſt, geneigter Leſer, den Du auch vielleicht tanzen geſehen auf Maskenbällen und Theatern, von falſchen und echten Spaniern und Spanierinnen; aber wenn ihn dieſe auch noch ſo wahr, noch ſo graziös, noch ſo lebendig vorgeführt, ſo iſt es doch ganz etwas Anderes, wenn Du ihn in jener warmen Nacht im wunderbaren Sevilla mit angeſchaut, gefühlt, empfunden hätteſt, jenen Tanz, wo, wie auch noch in anderen Dingen, der Anfänger den Meiſter übertrifft, wo ein jugendliches Herz voll Glut und Liebe in der Aufregung Schritte, Windungen erfindet, Blicke verſendet und da⸗ für andere empfängt, die Niemand lehren und Niemand lernen kann, die, wie eine wundervolle hinreißende Melodie zwiſchen den Fingern des Virtuoſen hervorquillt, von dieſem Augenblicke ein⸗ gegeben, in jenem wieder vergeſſen ſind— das Leuchten des Blitzes— ein vorüberziehender Blumenduft..
Wir haben ein ſolches reizendes, gluterfülltes Bild zwar nicht vergeſſen, es ſteht lebhaft in unſerer Erinnerung; um Dir aber einen ſchwachen Begriff davon zu geben, müſſen wir uns der Worte eines Spaniers bedienen: Wer vermag den Fandango zu beſchrei⸗ ben?!— Tänzer und Tänzerin fliegen ſich entgegen wie getrennte Liebende, die nach langem Suchen einander gefunden. Aber mitten im Fluge halten ſie ſtill, neigen ſich ſchüchtern vorwärts und ver
5
Hackländer's Werke. 51. Bd.


