Der Toreador. 25
tauſend Augen erſtaunt zu fragen: wie könnt Ihr Euch da um weitliegende Dinge bekümmern, ſtatt zu dem zu greifen, was Ihr am nächſten habt— zu Muſik und Tanz?— Deßhalb noch einmal:
Tango vos el mi pandero.“
Und nun hörte man, gehorſam dieſer Aufforderung, aus den grünen Gebüſchen des Gartens hervor zuerſt einleitende Guitarren⸗
klänge in raſchem Takte, und dann eine friſche Stimme eine jener
einfachen melancholiſchen Weiſen ſingen, zu denen es ſich ſo gut tanzt, wenn die Kaſtagnetten in raſchem und ſicherem Takte ſo knatternd wie möglich und zur richtigen Zeit einfallen.
„Einen Bolero, Seſiorita?“
„Lieber einen Fandango.“
„Wer tanzt mit?“
Paula hatte ſich bei dieſer Aufforderung auf's Neue eine Ci⸗ garre gedreht, ohne eine Miene zu verändern und ohne ſo zu thun, als könnte es ihr auch nur in den Sinn kommen, ſich an der Luſtbarkeit der anderen jungen Leute zu betheiligen, und als ihr die Mutter in leiſem, aber ſehr beſtimmtem Tone ſagte,„ich hoffe, daß Du jetzt von Deinen unverſtändigen Träumereien läſſeſt und als Tochter des Hauſes ein gutes Beiſpiel gibſt,“ erwiederte ſie achſelzuckend und mit einem verächtlichen Tone,„Ihr wollt wohl, Mutter, daß ich den Fandango vortanze, und mit wem? wenn ich fragen darf— ſind nicht ſchon alle Tänzer nach hinten gegangen?“
„Weil keiner ſich die unnöthige Mühe machen will, Dich ver⸗ gebens aufzufordern.“
„Nun alſo, ſo laßt auch Ihr mich in Frieden; wenn man
keinen Tänzer hat, ſo kann man auch nicht tanzen— nicht wahr,
Vetter?“ wandte ſich das junge Mädchen an den Kanonikus. Dieſer blickte ihr ſchmunzelnd in die glänzenden Augen und auf die vor Unmuth ſanft gerötheten Wangen, dann ſagte er, mit einem


