24 Der Toreador.
Arm ausſtreckt und den Toro mit der Spitze ſeines Degens be⸗ rührt, ſo hat die letzte Sekunde des unbändigſten Thieres geſchlagen und es ſtürzt ihm zu Füßen wie vom Blitze getroffen.“
„Und dabei ſoll er kein roher Geſelle ſein, wie ſo viele ſeines Gewerbes, ſich mit ſeiner Cuadrilla nur abgeben bei den Uebun⸗ gen, an denen er zu ihrer Belehrung gewiſſenhaft Theil nimmt, und ſich im Uebrigen ferne halten von dem wilden Leben der Lidiadores.“
„Und dabei von gutem Adel— da verſtehe ich es allerdings, daß es Damen geben kann, deren Herz beim Eintritt des Torea⸗ dors raſcher ſchlagen ſoll.“
„Ich verſtehe das wohl, aber ich begreife es nicht,“ ſagte Don Fernando.
Der Licenciat hatte ſeine Apfelſine verzehrt, ſich hierauf ſeine zarten weißen Finger mit einem Tuche von äußerſt feiner Lein⸗ wand abgewiſcht und ſagte alsdann mit ſeiner weichen, einſchmei⸗ chelnden Stimme:„Man ſoll keinen Chriſtenmenſchen verachten, ſelbſt einen Lidiador nicht; doch wenn er ſelbſt von altem gothi⸗ ſchem Blut wäre, ſo iſt ſein Gewerbe wenig beſſer, als das der fahrenden Komödianten und der Zigeuner— nicht wahr, Oheim Bartolomeo?“
„Daß Du dieſe Anſicht haſt, mein Sohn, finde ich begreiflich — als ich noch ein junger Licenciat war, dachte ich ebenſo, heute aber ſind meine Gedanken ganz anders, und deßhalb muß ich Euch geſtehen, daß unſer Geſpräch nach einem ſo guten Diner etwas zu ſchwer und ernſt geworden iſt— da lob' ich mir das leichte, ſpru⸗ delnde, und ich gäbe was darum,“ ſetzte er mit ſeiner lauten, weit⸗ tönenden Stimme hinzu,„wenn es da drüben einer unſerer Ju⸗ vencitas gefiele, noch einmal anzuſtimmen:
Tango vos el mi pandero—
ſchaut die herrliche Nacht an— ſcheint ſie nicht mit ihren


