22 Der Toreador.
an ſeinen Gürtel zu befeſtigen— sangre de Dios! Das war ein glorreicher Tag.“
„Und dieſer Jubel, dieſer Taumel iſt ſo begreiflich,“ ſagte der Domherr,„der aufregende Kampf, der Einem das Blut vom Herzen in die Wangen treibt und das Athmen erſchwert, der Jubel der Tauſenden von Zuſchauern, die berauſchende Muſik, die glänzende Cuadrilla mit ihren Campeadores, ihren leichten Banderilleros in den grellen Farben, die wallenden Federbüſche der Mulos mit ihrem vergoldeten Geſchirr, das immer toller werdende Jauchzen der Menge, die gefährlichen Zufälle während des Spiels, die uns zu⸗ weilen das Blut erſtarren machen— dazu das Schnauben und Brüllen der Toros, die verletzt am Boden zappelnden Pferde, der aufwirbelnde Staub, dazwiſchen das Glänzen der reichen Gewänder und das Leuchten der rothen Mäntel der Campeadores. Und das Alles iſt wie eine Pyramide, die ſich zuſpitzt, um hoch oben den letzten Kämpfer, den Eſpada, im wunderbarſten Lichte der Tapfer⸗ keit zu zeigen, oder es iſt wie ein Vorſpiel, wo Alles darauf berechnet iſt, um der Hauptperſon des Spektakelſtückes, das ſchließ⸗ lich noch zu einem Drama werden kann, zur Folie zu dienen— und wie mag es uns deßhalb wundern, wenn nun alle dieſe auf⸗ geregten Herzen dem Lidiador in ängſtlicher Erwartung entgegen klopfen— bei den Männern, wenn demſelben der Ruf der Tapfer⸗ keit und Gewandtheit vorausgeht, bei den Weibern, wenn er noch obendrein ein ſchöner Mann iſt, wie Seſior Eſtevan— oder Don Eſtevan, wie man ihn hie und da zu nennen beliebt, da ſeine Cuadrilla behauptet, er ſei von eben ſo gutem altem Adel und gothiſchem Blute, wie die Guzman oder die Medina.“
Während des ganzen letzten Geſprächs, das zwiſchen Paula und Fernando, ſowie deren Eltern und dem Vetter Kanonikus gehalten wurde, hatte der junge Licenciat mit großer Ruhe und ungemeiner Zierlichkeit eine Orange geſchält, auseinander gebrochen und langſam verzehrt, wobei es ſchien, als achte er nicht beſonders
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