20 Der Toreador.
„Ich verſtehe von allem dem gar nichts,“ bemerkte der Vater mit einem ziemlich albernen Geſichtsausdrucke, wogegen Donna Leocadia zuerſt gen Himmel blickte und dann mit einem tiefen Seufzer zu ihrer Nachbarin ſagte,„es wird ſo ſein, wie ich es mir gedacht.“
„Und was wird ſo ſein? was haſt Du Dir gedacht?“ fragte der Herr des Hauſes, welcher dieſe Worte gehört, in einem lauten Tone, und da ihm dieſe Gelegenheit paſſend erſchien, um vor dem Vetter Kanonikus, der ihn häufig mit dem Gegentheile neckte, zu beweiſen, daß er wohl ſeinen Willen ausſprechen dürfe, ſetzte er ſehr entſchieden hinzu,„ich will das wiſſen.“ 3
Doch lächelte ihn Don Bartolomeo gemüthlich von der Seite an und ſagte, indem er ſeinen breiten Kopf etwas aufwarf:„Vetter Francisco, Du biſt ein viel zu geſcheidter Mann, um der Sache nicht auf den Grund zu ſehen.— Was es geweſen ſei? fragſt Du— nun die Antwort darauf iſt ſehr einfach: Deine Tochter Paulita hat ſich hinreißen laſſen von der ganz außerordentlichen Kunſt und Gewandtheit des großen Eſtevan in der heutigen glän⸗ zenden Nachmittags⸗Korrida, der ja, wie wir während des Eſſens von Fernando gehört, ſeine vier Toros nach einander ebenſo ritter⸗ lich als graziös beſiegte.“
„Was hat meine Tochter mit dem Torero zu ſchaffen?“
„Wahrlich nichts— darüber kannſt Du ruhig ſein— aber haſt Du es nicht ſelbſt erlebt oder wenigſtens mit angeſehen, wie die vornehmſten Damen des Hofes ihre Fächer, Geldbörſen und Armbänder in den Ring warfen, wenn der große Mendovia, nach⸗ dem der wildeſte Stier von ſeiner Hand wie vom Blitze getroffen
ihm zu Füßen geſunken, und er, der ſoeben dem Tode mit einer
wunderbaren Würde und Anſtand getrotzt, ſich für den ungeheuren Beifallsſturm nun ſo ruhig und beſcheiden, ja mit einer Gleich⸗ gültigkeit, als grüße er einen Freund, oder küſſe die Hand einer ſchönen Frau, bedankt— geſtehe es, Francisco, da hat Dein altes
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