Teil eines Werkes 
51. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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Der Toreador. 139

Der Vetter hat Recht, rief Fernando,und da ſie nicht reden will, ſo werde ich's ſagen.

Schande über Dich, Aufpaſſer und Verräther, rief das junge Mädchen in leidenſchaftlichem Tone, indem ſie ſich raſch umwandte und den Bruder mit blitzenden Augen von oben bis unten betrach⸗ tetedoch meinetwegen ſage was Du willſt, kannſt auch obendrein noch lügen, wenn es Dir Vergnügen macht willſt Du aber die Wahrheit reden, ſo werde ich ſie nicht leugnen. Darauf verwandelte ſich der Zorn in ihren Augen in einen Ausdruck der Verachtung, wobei ihre Lider wie gelangweilt oder ſchläfrig herab⸗ fielen, doch verrieth ein unverkennbares Funkeln unter denſelben, daß die Bruſt des jungen Mädchens von ganz andern Gefühlen bewegt war; auch zitterten ihre kleinen Fingerchen ein wenig, als ſie ſich vom Tiſche die kleine Tenacilla nahm, mit derſelben ein Cigarito faßte, dieſelbe langſam anzündete und den Rauch mit einem ſo tiefen Zuge in ſich ſog, daß ſich ihr Buſen hoch emporhob, wo⸗ bei ſie merkwürdiger Weiſe beide Reihen ihrer ſchneeweißen, feſt aufeinander gebiſſenen Zähne ſehen ließ.

Pax vobiscum!» ſagte der Domherr in gemüthlichem Tone, was nützt es, ſich zu zanken oder auch nur lange zu reden über geſchehene Dinge, die nicht mehr zu ändern ſind iſt das Arm⸗ band unwiederbringlich verloren, ſo wird das eben ſo unangenehm für Paula ſein, die, wie ich ſelbſt weiß, ſehr viel Werth darauf legte kann man es wiederfinden oder wieder erhalten deſto beſſer und wenn ich der Bruder einer ſo ſchönen Schweſter wäre, ſo würde ich, ſtatt weiter über die Sache zu reden, ſelber Schritte thun, um das Kleinod wieder herbeizuſchaffen.

Das hätte ich wahrlich von ſelbſt gethan, erwiederte der junge Mann aufbrauſend,wenn ſie nicht von ſo unverträglich zurückſtoßendem Charakter wäre, und wenn ſie mich nicht ſchon auf dem Heimwege, als ich gutmüthig mit ihr darüber ſprach, wie einen Gitano behandelt hätte.