Der Toreador.
aber von Allen unbemerkt plötzlich in einen flammenden Blitz ver⸗ wandelte, als er an den geſchloſſenen Augen Paula's eine Sekunde haftete.
„Wenn Du munt'res Ding verſtändeſt Meine Qual und ſie empfändeſt, 5 Jeder Ton, den Du entſendeſt,
Würde klagen meinen Schmerz“
klang es zu gleicher Zeit aus dem Gebüſche herüber, und als hierauf Paula langſam ihre Augen öffnete und den heißen Blick aus dem Auge des Licenciaten bemerkte, wandte ſie ihren Kopf mit einer finſteren, faſt unwilligen Miene ab und richtete ſich raſch in die Höhe, wie um an dem Geſpräche Theil zu nehmen oder ſich zu den Sängern zu geſellen; dabei hob ſie ihren rechten Arm etwas in die Höhe, ſo daß der weite Aermel von Muſſelin zurückfiel und ihren ſchön gerundeten, fein geformten Arm zeigte.
Donna Leocadia ſah zu ihrer Tochter hinüber, und als ihr Blick leicht begreiflich an dem Handgelenk Paula's verweilte, ſagte ſie in fragendem Tone,„haſt Du Dein mauriſches Armband ab⸗ gelegt?— während des Stiergefechts habe ich es doch noch bemerkt; ich hoffe nicht, daß Du es verloren haſt.“
Paula blickte wie erſtaunt auf ihren Arm, doch war dieſes Erſtaunen ein gekünſteltes; es mußte mit dem Armband etwas ganz Abſonderliches vorgefallen ſein, denn die ſonſt ſo ruhigen, blaſſen Züge des ſchönen Mädchens waren plötzlich von einer flam⸗ menden Röthe überzogen, welche, obgleich ſie ziemlich im Schatten 3 ſaß, doch ſogleich von der Mutter bemerkt wurde, ſowie auch von dem jungen Licenciaten, der jetzt einen zweiten und nicht minder raſchen und bezeichnenden Blick hinüberwarf.
„Vei der heiligen Leocadia, meiner Schutzpatronin,“ ſagte die Mutter,„es wäre mir nicht lieb, wenn Du das Armband verloren hätteſt— von ſeinem Geldwerthe will ich gar nicht reden, aber meine Mutter und meine Großmutter haben es ſo in Ehren gehalten,


