Der Toreador.
Seſtor Sobrino y Canonico,“ bemerkte der Freund des Hauſes, „undankbar nach einem ſo vortrefflichen Diner, welches doch alle jene Bedingungen erfüllt hat.“
„Gewiß, Tomaſo, und indem ich gerade an dieſes herrliche Diner dachte, mußte ich ſeufzen über das, was die Juvencita ge⸗ ſungen: es iſt eine Anklage meiner ſelbſt und ich geſtehe ehrlich, daß ich oft an etwas ganz Anderes denke, als was der Klang der Glocken zu bedeuten hat, wenn ich in meine Kapelle gehe— der Menſch iſt ein ſchwaches Geſchöpf, die Madonna ſoll mir verzeihen.“
„Was nicht von unſerer lieben Frau für ein ungeheurer Vor⸗ rath von Barmherzigkeit täglich verlangt wird,“ lachte die Herrin des Hauſes, ſich über den Tiſch hinüber in das Geſpräch miſchend, „o über die fündige Welt, ſo etwas aus Eurem Munde hören zu müſſen— wenn das noch Don Ruiz geſagt hätte, welcher erſt mit einem Bein auf der Schwelle der Kirche ſteht.“
„Falſch, falſch, Sobrina— ich, deſſen Frömmigkeit ſich ſo⸗ zuſagen in Feuer und Waſſer erprobt hat, kann mir ſchon eine ſolche Bemerkung erlauben, aber ein junger Licenciat, der damit umgeht, nächſtens ſeine erſte theologiſche Vorleſung zu halten, muß dahin ſtreben und arbeiten, ſeine Gedanken feſt bei einander zu halten.“
Der Licenciat, von dem die Rede war, hatte langſam ſeinen Kopf erhoben und zeigte ein ſehr ſchönes Geſicht mit einem glän⸗ zenden Augenpaar, von ziemlich weltlichem Ausdrucke: ſeine bart⸗ loſen Lippen kräuſelten ſich zu einem leichten Lächeln, während er zur Antwort gab:„Seſior Bartolomeo hat mich ganz richtig beurtheilt; wenn ich an etwas denke, ſo thue ich es mit Leib und Seele, ja mit der ganzen Kraft meines Herzens— und mein Herz iſt ziemlich kräftig.“
Als er dieſes ſagte, flog ſein Blick langſam über die Tiſch⸗ geſellſchaft hin mit dem Ausdrucke großer Gleichgültigkeit, der ſich


