Teil eines Werkes 
51. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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14 Der Toreador.

Im Anſchauen dieſes vollendet ſchönen ſpaniſchen Mädchens von vielleicht ſechzehn oder ſiebenzehn Jahren hätten wir bald eines jungen Mannes mit beſcheidenem Aeußern vergeſſen, welcher halb verborgen hinter dem Stuhle des Kanonikus ſitzt, den Arm auf die Lehne deſſelben geſtützt, darauf den Kopf legt und ſo der Einzige iſt, der nicht zum Himmel hinaufblickt. Fügen wir hinzu, daß dieſer junge Mann in der Tracht der Licenciaten iſt, ſo finden wir es vielleicht gerechtfertigt, daß er, wahrſcheinlich an den Himmel des Jenſeits denkend, für die Pracht des irdiſchen kein Auge hat.

Tengo vos el mi pandero.» Klinge, klinge, mein Pandero, Doch an Anderes denkt mein Herz.

hörte man aus dem Hintergrunde des Hofes, wohin ſich, wie ſchon oben bemerkt, die meiſten jüngeren Leute zurückgezogen hatten, eine friſche Mädchenſtimme unter leiſer Guitarrebegleitung halb ſingend, halb recitirend vortragen, worauf die unſichtbare Sängerin von ein paar anderen Mädchenſtimmen durch lautes Lachen unterbrochen wurde und hierauf der raſſelnde Ton einer kleinen Schellentrommel lärmend einfiel.

Ja, ja, ſagte der Kanonikus, indem er behaglich die Daumen ſeiner fetten Hände, die zuſammengefaltet auf ſeinem Bauche ruhten, um einander herumſpazieren ließ,klinge, klinge, mein Pandero, doch an Anderes denkt mein Herz das iſt eine lange Weis⸗ heit in kurzen Worten ausgedrückt, und paſſirt dem heiligen Jakob von Compoſtella ſei es geklagt ſo häufig manchem ehr⸗ lichen Chriſtenmenſchen. Es wäre ein Glück, wenn man ſeine Ge⸗

danken beſtändig bei der Sache halten könnte, mit der man gerade beſchäftigt iſt; aber es gibt leider ſo wenig Dinge, welche Seele und Leib zu gleicher Zeit gründlich beſchäftigen.

Ich finde dieſe Aeußerung eigentlich undankbar von Euch