Teil eines Werkes 
51. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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12 Der Toreador.

Wir ſind in der Calle de la Lonja, einer Straße mit präch⸗ tigen öffentlichen und Privatgebäuden; hier wohnen Leute vom älteſten und reichſten Adel neben Kaufherren, deren Schiffe von Cadix aus durch die ganze Welt gehen; an manchem Portale hier ſieht man eine Herzogs⸗ und Grafenkrone, auch nicht ſelten einen Kardinalshut ausgemeißelt, was bedeuten will, daß Einer oder Mehrere dieſes erlauchten Hauſes die große Ehre und das außer⸗ ordentliche Glück hatten, den Purpur tragen zu dürfen.

Es iſt gerade ein derartig verziertes Haus, in welches wir eintreten: die Vorhalle iſt glänzend beleuchtet, der Wohnhof nicht minder, und hier bemerken wir alles das, was wir vorhin be⸗ ſchrieben, auf's Reichſte und Eleganteſte: dort den Eßtiſch in ſeiner maleriſchen Unordnung, bedeckt mit Kryſtall und Silbergeſchirr, ſtrahlend im Widerſchein der Wachskerzen, die auf gediegenen Leuchtern von edlem Metall brennen hier zwiſchen dunkeln Grup⸗ pen von Orangen⸗ und Lorbeerbäumen hellleuchtende Marmor⸗ figuren, den ſprudelnden Waſſerſtrahl in der Mitte des Patio und eine auserleſene Geſellſchaft, von denen ſich die älteren Herren und Damen, ſowie auch einige der heiteren Jugend noch am Eßtiſche befinden, während andere ſich ſchon in die dunkleren Theile des Marmorhofes zurückgezogen haben, von woher Lachen und Plaudern erſchallt, auch zuweilen ein kaum hörbarer Guitarrenakkord, ſowie das leiſe Anſchlagen einer Kaſtagnette, welche ſchüchtern zu fragen ſcheint, ob es nicht bald erlaubt ſei, einen Bolero oder Fandango zu beginnen. Dabei duften die Blumen von allen Seiten und von hoch über Alles herab blickt der funkelnde Sternenhimmel, eine wunderbare Nacht anzeigend, wie ſie uns in ihrer ſtillen Pracht und Herrlichkeit nur im ſüdlichen Spanien zu entzücken vermag.

Von denen, welche noch am Tiſche ſaßen, ſandten manche ihre Blicke nach dem prachtvollen Nachthimmel, aber mit ganz ver⸗ ſchiedenem Ausdruck: hier der Herr des Hauſes, Don Francisco Melendez, neben dem dicken, wohlgenährten Kanonikus und einem