Teil eines Werkes 
51. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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Der Toreador.

heitere Leben des Wohnhofes, da jetzt, wo es Abend geworden iſt, die Sonnenzelte von den Balkonen wie von den Höfen weggezogen ſind. Was wir ſehen und hören, erregt unſere Luſt einzutreten, um alle unſere Sinne auf die angenehmſte Art zu beſchäftigen. Dort ſteht der Eßtiſch in maleriſcher Unordnung mit feinem Backwerk, herrlichen Südfrüchten, dunkel glühendem Wein in zierlichen Karaffen, Blumenduft um uns her im Hofe, Blumenduft von den Balkon⸗ fenſtern, ja von den Dächern herunter. Und dabei iſt der Patio ſelbſt wunderbar in einen Garten verwandelt dort in der Ecke erblicken wir eine dichte Laube aus Weinreben gebildet, und während der Marmorbehälter in der Mitte, aus dem ein lebendiger Waſſer⸗ ſtrahl in die Höhe ſteigt, von Myrthen, Lorbeer und Orangen um⸗ geben iſt, ſehen wir drüben dieſelben herrlichen Bäume mit anderen feinblätterigen Gebüſchen gruppenartig geordnet und aus dem dunkeln Laube weiße Marmorſtatuen hervorleuchten. Dabei ſtrahlt reicher Lichterglanz durch die Räume dieſer Marmorhöfe, ſich wieder⸗ ſpiegelnd in dem glänzend polirten Steine, ja auf dem Moſaik⸗ boden, vor Allem in dem zitternden Waſſerſtrahl und ſich langſam verlierend in den Ecken des weiten Raumes, dort im Laube der Bäume zwiſchen Blumen verſchwindend, nur hie und da noch eine weiße Blüte oder eine goldene Frucht deutlich hervorhebend. Dazu glänzt von oben der ſüdliche Sternenhimmel oder der helle Schein des Mondes, wunderbar reflektirend in unbeſchreiblich ſchönen Augen.

Und Lieder erſchallen überall, wo man hinhorcht, hier von einer einzigen Stimme, begleitet von ſanftem Guitarrenklang, dort

ein mehrſtimmiger, fröhlicher Geſang, dazwiſchen das Raſſeln des

Tamburins, das Knattern der Kaſtagnetten; auch ſpärlicher be⸗ leuchtete Patios ſehen wir mitunter, wo eine ältere Dame ſchläfrig in ihrem Stuhle nickt, während wir aus dem Gebüſche hinter ihr im Hofe ein paar liſpelnde Stimmen vernehmen, oder während vielleicht am Gitter der halbdunkeln Vorhalle eine ſchlanke Mädchen⸗ geſtalt lehnt, heimlich Worte und Küſſe tauſchend.