Der Toreador.
ling iſt, deſſen laue, balſamiſche Düfte auch der Tageszeit ihr Recht laſſen, und daß man nicht auf die Nacht zu warten braucht, um ſich in Sevilla zu erfreuen, um glücklich zu ſein bei der Pracht der auch hier zu neuem und friſcherem Leben erwachenden Natur, bei dem berauſchenden Dufte dieſer Maſſen von Veilchen und Roſen.
Es iſt alſo Mitte Mai und wir ſind in Sevilla, und zwar an einem Montag Nachmittag zu der Stunde, wo das Stiergefecht, das allwöchentlich gehalten wird, beendigt iſt. Die Tauſende von Zuſchauern haben die Plaza de los tores verlaſſen und ſind zu ihrem Mittag⸗ oder Abendeſſen in ihre Häuſer zurückgekehrt; Sevilla iſt vollkommen ruhig, glücklich und zufrieden, denn das heutige Nach⸗ mittagsgefecht war eines der glänzendſten und hatte ſich durch allerlei pikante und nervenaufregende Zufälle ausgezeichnet.
Unterdeſſen iſt es Abend geworden und ehe wir uns erlauben, den geneigten Leſer in einen jener Familienkreiſe einzuführen, welche ſich nach eben beendigtem Mittageſſen bei Puros oder Cigaritos über das heutige, glänzende Stiergefecht unterhalten, wollen wir uns, durch die Straßen ſchlendernd, einen Blick erlauben in die reizenden Patios der Häuſer, was wir ganz ungehindert thun können, da überall die beiden Flügel der breiten Hausthüren weit offen ſtehen, Befreundete zum Eintritt auffordernd und Fremde veranlaſſend, wie wir es thun, ſtehen zu bleiben.
Wie in ſo vielem Anderen, ſo tritt uns hier in Sevilla in der Einrichtung der Häuſer und deren Benützung die poetiſche Zeit der Mauren lebhaft vor Augen: wie damals iſt auch heute noch der Wohnhof rings umgeben von Schlafzimmern und anderen Ge⸗ mächern: der eigentliche Salon des Hauſes und der Verſammlungs⸗ ort für die Glieder der Familie und deren Freunde, ihn trennen nur feine eiſerne Gitter von zierlicher Zeichnung, die Raja, von der Vorhalle, einem häufig von Säulen getragenen Veſtibule an der Straße, und da, wie wir vorhin ſchon bemerkt, die Hausthüre gaſt⸗ freundlich offen ſteht, ſo ſchauen wir um ſo ungehinderter in das


