Der Toreador.
Hier ſieht man die tanzluſtige Welt aus den niederen Ständen in den maleriſchen Koſtümen der verſchiedenen Provinzen, in den zahl⸗ reichen Landestrachten Spaniens ſich in Schmuck und Zierlichkeit überbietend; die heitere, glänzende andaluſiſche Tracht, die einfache galiziſche, die von Valencia mit ihren hellen, leuchtenden Farben, die ernſte, dunkle des ſtolzen Kaſtilaners und die aus den Gebirgen von Burgos— ein wechſelvolles, luſtiges Drängen und Treiben, ein blendendes Durcheinander, die lauteſte Fröhlichkeit ohne alle
Unordnung, ohne alle Rohheit: der Spanier tanzt, und wenn er
tanzt, iſt er glücklich und zufrieden.
Und wie einfach ſind hier die Vorbereitungen, deren es be⸗ darf, um eine Gruppe Tanzender zuſammenzubringen— dort unter der hohen, dichtbelaubten Platane ertönen die Klänge einer Gui⸗ tarre, begleitend eines jener ſchwärmeriſchen, melancholiſchen Lieder, denen das Knattern luſtig ſchmetternder Kaſtagnetten den richtigen Takt verleiht. Und bei dieſer einfachen Muſik werden auf dieſer Seite verſchiedenartige Landestänze ausgeführt, während ſich auf einer andern eine zahlreiche Gruppe junger Mädchen und Burſche mit Leidenſchaft der danza gentil hingeben.— Und wie tanzt der Spanier, beſonders aber die Spanierin: nicht nur die Füße ſind in der lebhafteſten Bewegung, ſondern auch die Augen, die Lippen, der Buſen, die Herzen— das ſüßeſte Vergeſſen lacht im Auge, blüht auf den Lippen und Wangen. Und wenn auch die Figuren des Tanzes ſich immer mehr zu verwirren ſcheinen, ſo findet ſich doch immer wieder in der Muſik eine glückliche Pauſe oder ein Wechſel des Rhythmus, welcher die leuchtende Gruppe be⸗ friedigend auflöst oder für ein paar Sekunden zum Stillſtehen bringt.
Das iſt die Luſt der Sommerabende in Sevilla, und wenn wir nun von dem Frühlinge, von dem wunderbaren Monate Mai als einer Steigerung in dem heiteren Leben dieſer glücklichen Stadt reden wollen, ſo dürfen wir wohl ſagen, daß es ja eben der Früh⸗


