Teil eines Werkes 
50. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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240 Unter den päpſtlichen Zuaven.

aber auch der Furcht, raſch an ſeinen Wagen trat, deſſen Davon⸗ rollen man nach einigen Minuten vernahm.

Nur der junge Zuave hörte nichts davon; denn während ſein Verwandter trotz alledem mit Hoffnungen auf eine angenehme, ja heitere Zukunft dieſen Ort des Schreckens für ihn verließ, kniete er neben einem ärmlichen Bette, auf welchem ſie ruhte mit ge⸗ ſchloſſenen Augen, die lieblichen Züge übergoſſen von unausſprech⸗ lichem Seelenfrieden.

Nach einer langen, langen Zeit erhob ſich Landerer wieder, drückte einen Kuß auf ihre Stirn und nahm dann das Taſchentuch, welches er auf ſeiner Bruſt verwahrte, breitete es auf einen Augen⸗ blick über ihr Geſicht und als dann ihre ſchönen Züge durch das feine Gewebe ſichtbar waren, ſagte er mit von Thränen funkelnden Augen:Für mich verwirklicht ſich das Wunder der heiligen Veronika.

Amen! flüſterte der alte Profeſſor, verdunkelte das Zimmer, indem er die groben Holzläden ſchloß, und zog alsdann Landerer ſanft mit ſich fort.

Unter der geöffneten Thüre des Zimmers ſtand der kleine Horniſt, der von dem Anblicke, der ſich ihm bot, athe mlos vom raſchen Laufe, lautlos feſtgebannt ſtehen geblieben war und der, den Moment zartfühlend begreifend, den Beiden ſchweigend folgte, bis vor das Haus, bis vor den Ort, und dann erſt mit leiſer

Stimme ſagte:Man hat mich zu Ihnen hinausgeſchickt, denn Ihr

Freund, der Unteroffizier Alfons

iſt einem zweiten Anfalle der Krankheit unterlegen, antwortete Landerer mit großer Ruhe.O ich kann mir das denken, ſolche Ahnungen trügen ſelten. O wie er glücklich iſt!

Es war Dr. Bucher, der auf dieſe Nachricht hin ihn zum raſcheren Gehen antreiben mußte; denn von Minute zu Minute blieb Landerer ſtehen, rückwärts nach Caſtel Gandolfo ſchauend oder mit finſteren Blicken zum Himmel empor, der ſich jetzt grau über⸗