Teil eines Werkes 
50. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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Unter den päpſtlichen Zuaven. 239

Dieſe Worte galten dem jungen Zuaven, der an der Seite des Doktors ſtehend, ſeinen Vetter nach ſo langen Jahren der Trennung ruhig und kopfnickend betrachtete.

Ja, ich bin es und Du biſt es und wir Beide ſind uns, ſo ſcheint mir, im Aeußern wie im Innern ziemlich gleich geblieben.

Ein unmuthiger, häßlicher Zug zuckte um das eingefallene Geſicht des Anderen; und es war ein böſer Blick, der raſch, wie ein Blitz, über die jugendlich kräftige Geſtalt des Zuaven flog. Doch warf er den Kopf trotzig in die Höhe und wollte ohne ein Wort der Entgegnung die Schwelle überſchreiten.Halt einen Augenblick, ſagte der Andere, den Arm leicht ausſtreckend,laß mich mein Lob über Deine Unveränderlichkeit vollenden. Dem Unglücke, dem Jammer, wendeſt Du theilnahmlos den Rücken, eine zertretene Blume, deren Duft Dich einſtens entzückt, iſt Dir werthlos geworden. Dich ſchreckt die Geſtalt des Todes, der ſo unerbittlich in Dein Haus gegriffen, nicht in Dein Herz, und mit dieſem kalten Herzen eilſt Du triumphirend von dieſer Stätte, froh, daß wenigſtens Du glücklicher geweſen, als Du verdienſt. Aber, was Dir davon nachfolgt über Länder und Meere, nachdem Du mich hier geſehen, im Begriffe an ihrer Leiche zu wachen, da⸗ ran denkſt Du nicht.*

Pah, Unſinn! Ich kenne Deine hohen Redensarten.

Du hörſt ſie zum letzten Male; aber zum erſten Male meine Verwünſchungen, meinen Fluch über Dich, der mein Lebensglück verrätheriſch vernichtet, und dann das reine Herz eines Weſens, deſſen Du nie würdig warſt, freventlich gebrochen. Ja, ſie ſtarb nicht an jener furchtbaren Krankheit, ſie ſtarb aufgerieben von Kummer und Seelenſchmerz; ſie, die Du durch Verrath und Lüge erſchlichen; ſie, die mich geliebt.

Darauf wandte er ſich mit dem Ausdrucke des tiefſten Schmerzes gegen das Haus, während der Andere mit einem Blick des Haſſes,