238 Unter den päpſtlichen Zuaven.
„Er war, als ich fortging, im Begriffe, dem Orte des Schreckens zu entfliehen,“ ſagte Dr. Bucher achſelzuckend;„er fühlte ein un⸗ überwindliches Grauen vor ſeiner Gattin, vor dieſem heimgegangenen Engel. Und Sie werden ſehen,“ ſetzte der alte Mann laut weinend hinzu,„ob es ein lieblicheres Bild des Todes gibt—— wenn man neben ihrer Leiche aufwärts blickt, ſieht man den Schmetter⸗ ling mit goldenen Flügeln über ihrer weißen Stirne ſchweben.“
„Amen, Amen,Ä wie ſie mir in jener Nacht geſagt, als ich auf Nimmerwiederſehen von ihr Abſchied nahm.“
„Vor ihr ein Grauen zu empfinden,— es gibt nichts Klein⸗ licheres, nichts Herzloſeres. Sie, welche rauh zerſtörend anzurühren ſelbſt dieſe gierige, abſcheuliche Krankheit nicht gewagt.— Hier iſt das kleine Haus, in welchem ſie liegt; und dort,“ fügte er in ver⸗ ächtlichem Tone bei,„ſteht der beſpannte Wagen des Herrn Grafen.“
„Gott ſei Dank, daß er geht,“ ſeufzte der junge Zuave aus dem tiefſten Grunde ſeines Herzens;„und doch möchte ich ihm noch einmal in dieſem Leben ganz zufällig begegnen,“—— ein Wunſch, der ihm im nächſten Augenblicke erfüllt werden ſollte.
„Ich zwinge Sie gewiß nicht, Madame Bertrand,“ tönte eine unangenehme, heiſere Stimme aus dem engen Flur des kleinen Hauſes hervor.„Wenn Sie durchaus da bleiben wollen, meinet⸗ halben; ich laſſe Ihnen den Andrea zurück, er wird Sie, wenn Alles vorüber iſt, nach Rom geleiten. Dort finden Sie mich in den Iſole Britanniche. Halten Sie ſich aber nicht länger auf, als nothwendig iſt, denn es drängt mich, nach Florenz zu kommen.“ Damit trat Der, welcher ſo geſprochen, vor die Thüre, Graf Lan⸗ derer, den wir vom Saintonge her kennen. Seine Miene war nicht kränker als damals, ja im Gegentheile, er ſchien ruhiger zu athmen und die fieberhafte Röthe auf ſeinen Wangen war einer geſünderen Farbe gewichen,—— erſchien aber jetzt mit einem Male von einer tiefen Bläſſe überzogen, während er die dünnen Lippen feſt auf einander preßte.——„Ach, Du biſt es!“


