Unter den päpſtlichen Zuaven. 237 indem er ſeine rechte Hand vor die Augen drückte,„ich liebte ſie, wie man die liebſte Tochter liebt. Sie kamen von Neapel, wir hatten uns Rendezvous in Albano gegeben—“
„A— a— a— ah, ſo— o— o,“ brachte der junge Zuave mühſam hervor, indem er mit ſtarrem Blicke ſeitwärts ſchaute; er hatte nicht den Muth, weiter zu forſchen, um eine ſo entſetzliche Gewißheit zu erlangen; er hätte den Profeſſor am liebſten ſtehen gelaſſen und wäre entflohen weit, weit hinweg über die Grenzen dieſes Landes als ein Fahnenflüchtiger, um alsdann wieder ein⸗ gebracht und als Deſerteur erſchoſſen zu werden. Das waren wohlthuende Bilder, welche in dieſem Augenblicke durch ſein Gehirn rasten;—— und doch ſchon bei dem Gedanken, den alten Mann, der mit thränenerfülltem Blicke vor ihm ſtand, ſei es auch jetzt nur auf einen Augenblick zu verlaſſen, fuhr er erſchreckt zuſammen und umklammerte mit ſeinen Fingern krampfhaft deſſen Hand.—„So iſt es wahr, ſo iſt keine Täuſchung möglich!— O, Sie haben Recht,“ rief er in wildem Schmerze ausbrechend,„über einen ſolchen Verluſt ſollte die Welt klagen.“
„Hätten Sie ſie erſt gekannt, mein lieber junger Freund!“
„Hätten Sie ſie erſt gekannt,“ höhnte er ihm zähneknirſchend nach.„Ich habe ſie gekannt, beſſer als Sie, ich habe ſie ge⸗ liebt— und ich hatte ein Recht, ſie zu lieben— ehe ſie jenes An⸗ deren Weib wurde.“ 6
„Herr Landerer!!—*
„Landerer,— ja— ſagen Sie: Graf Landerer und glauben Sie nicht, daß es Eitelkeit iſt, die mich veranlaßt, dieß ahgelegte Wort hervorzuſuchen.—— Betrachten Sie mich als Verwandten des Hauſes, als Jemanden, der ein Recht hat, an ihrer Leiche niederzuknieen. Um Alles, was Ihnen heilig iſt, kommen Sie,— eilen Sie— führen Sie mich zu ihr!“
Er zog den alten Mann haſtig mit ſich fort, blieb aber dann plötzlich mit der Frage ſtehen:—„Und er?“


