228 Unter den päpſtlichen Zuaven.
Grotte der Egeria, bei der man ſich jetzt während der Dämmerung Mancherlei hätte denken können, wenn uns die Gelehrten nicht darüber in's Klare geſetzt hätten, daß die Geſchichte von Numa Pompilius und der Nymphe leider nur eine Fabel ſei. Da ragten auch die impoſanten Trümmer des Circus des Caligula empor. Alfons, der neben Landerer ſchritt, ſagte, mit der Spitze des Hau⸗ bajonnets dorthin weiſend:„Heute macht mir der Anblick jenes Amphitheaters, wo das kaiſerliche Stiefelchen ſeine Menſchen⸗ und Thierhetzen hielt, einen ganz beſonders düſtern Eindruck; wer weiß, wie viele unſerer glorreichen Vorfahren uralter Zeit ebenfalls in dieſer Richtung geführt wurden, um vielleicht beim morgigen Kampf⸗ ſpiele zur Unterhaltung des Cäſars zu bluten. Morituri te salu- tant,“ ſagte der junge, ſonſt ſo lebensluſtige Mann mit einem ſo ahnungsſchweren Ausdrucke in der Stimme, daß Landerer ihn be⸗ ſtürzt anblickte, als er hinzuſetzte:„Sind wir vielleicht beſſer daran als Jene?“
„Woher dieſe düſtere Laune?“
„Vielleicht der Ausdruck eines zu plötzlichen Umſchlages aus dem Gegentheile. Ich war nie ſeliger gelaunt als heute Morgen.“
„Hatteſt Du Urſache dazu?“
„Vollgültige; marſchiren wir ein paar Schritte ſeitwärts von der Kolonne; ich habe keine Geheimniſſe vor Dir. Du kennſt meine Verhältniſſe in der Heimat, die mich forttrieben. Ich hatte heute Morgen Briefe von dort; ich kann noch einer der gliücklichſten
Menſchen unter der Sonne werden, wenn—— doch gleichviel,“ unterbrach er andere, ſeinen Kopf durchkreuzende ſchwerere Ge⸗ danken;„wer will mir verbieten, zu hoffen,— ſie iſt frei,—
frei,— frei,— ihr Gatte, dem ſie gezwungen die Hand gab,
unterlag einer raſch verlaufenen Krankheit, dieſe Felſennatur.“ „Nun denn, bei allem anſtändigen Mitgefühl für den Ver⸗
ſtorbenen verſtehe ich doch Deine düſtere Miene nicht.“
„Wie ſchon geſagt, ich war während des ganzen Tages ſelig,
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