220 Unter den päpſtlichen Zuaven.
fühlen oder zu ſchildern, die in der Nacht erweckt wurden durch jammernde Klagen zu ihrer Rechten, zu ihrer Linken, oben und unten, im Nebengemach ihres Schlafzimmers, vor ihrer Kammer⸗ thür, in ſchrecklicher Ungewißheit, welch' furchtbarer Feind nächtlicher Weile über die arme Stadt hereingebrochen ſei? und als ſie mit dem Grauen des Tages Gewißheit erhielten, war dieſe Gewißheit der troſtloſeſten Art. Wer konnte entfliehen, da es an irgendwie genügenden Transportmitteln fehlte, wer vermochte es, bei der Wiſſenſchaft Schutz zu ſuchen, da faſt keine Aerzte da waren, und da es an den nothwendigſten Arzneimitteln, an Allem fehlte?— Am nächſten Tage vergrößerte ſich die Anzahl der Kranken und der Todten, die Seuche trat in ihrer furchtbarſten, unerbittlichſten Ge⸗ ſtalt auf. Sie erſchien faſt nur in raſch tödtenden Fällen. Wenige Stunden reichten hin, um einen Geſunden mörderiſch zu überfallen und todt hinzuſtrecken. Alle Häuſer ſchloſſen ſich, alle Geſchäfte ſtockten. Selbſt die nothwendigſten Lebensmittel, ſelbſt Brod, war kaum mehr und ungenügend zu bekommen. Das alles erzeugte in der erſten ſchrecklichen Ueberraſchung eine Alles lähmende Un⸗ thätigkeit. Jeder erwartete hülflos den furchtbaren Schlag, der vielleicht vor einer Stunde ſeinen Freund betroffen, doch es über⸗ dauerte dieſe moraliſche Erſtarrung nicht den ganzen Tag, um alsdann dem fieberhaften Drange, dem verpeſteten Orte zu ent⸗ fliehen, Luft zu machen. Aber wie entfliehen und wohin? Die Bahnzüge hielten nicht mehr an der unterhalb des Ortes gelegenen Station, ſondern überließen die Stadt ihrem Schickſal; Alles, was an Pferden und Wagen verfügbar war, hatten die Aengſtlichſten und Reichſten ſchon in den erſten Stunden beim Ausbruch der Krank⸗ heit mit Beſchlag belegt. Und ſo kam es denn, daß vornehme Leute, Prälaten und höhere Kirchenfürſten, welche im gewöhnlichen Leben ſelten oder nie zu Fuß gingen, den Stab in die Hand nah⸗ men, ja ſich ſelbſt mit den nothwendigſten Habſeligkeiten beluden, um in den nächſtgelegenen Orten, in Caſtel Gandolfo, in Genzano,


