Unter den päpſtlichen Zuaven. 215
gebrochen, ſondern durch den herabſtürzenden Stein nur vorüber⸗ gehend gelähmt worden ſei.
Der kleine Horniſt leiſtete ihm getreulich Geſellſchaft und brachte die meiſten ſeiner Freiſtunden bei ihm zu; hier in dem ſtillen Lazareth eine gerne geſehene Geſellſchaft, da er von außen herein manche Neuigkeit in dieſe abgeſchiedenen Räume trug. Rom fing an für die Fremden ſehr unangenehm zu werden. Die Hitze ſtieg von Tag zu Tag und die Nächte brachten keine Kühlung. Der italieniſche Himmel, von deſſen unveränderlichem, reinem, tiefem Blau unſere Dichter und Proſaiker ſo viel zu erzählen wiſſen, zeigte ſich auch jetzt unbewölkt, aber von erſtickenden Sci⸗ roccodünſten überzogen, kränklich, blaß, ohne Leben und Bewegung, bleichſüchtig, verdrießlich, und erſt die Campagna und die Gärten in und um Rom, wo man keinen Grashalm mehr ſah, der nicht zu Heu gedörrt war, wo ſelbſt die immergrünen Bäume und Sträucher mit den kräftigen Blättern dürrſtaubig und ſonnverbrannt ſind, wo das ganze Bild des üppigen Südens, wie es in unſerer Phantaſie lebt, keine Aehnlichkeit mehr hat mit der Wirklichkeit des Alles verzehrenden Sonnenbrandes. Und erſt ſo ein ſchwer⸗ müthiger Scirocco da, wo der heiße Wind alle Sehnen erſchlafft und ſelbſt unſere geiſtigen Funktionen hemmt, wo man ſich kaum entſchließen kann, das Haus zu verlaſſen, und ſich doch wieder müde und matt davonſchleicht in der Hoffnung, draußen einem erfriſchen⸗ den Hauche zu begegnen, wo man der aria cattiva wegen ſelbſt vor der kühleren Nachtluft die Fenſter verſchließt. In ſolcher Zeit denkt man gewöhnlich verdrießlich in einer unbeſchreiblichen Sehn⸗ ſucht nach dem Norden mit ſeinen friſchen grünen Buchen⸗ und Eichenwäldern, ſeinen murmelnden Quellen, ſaftig⸗grünen Wieſen und an die leuchtende Fläche maleriſch gelegener Seen, deren Waſſer⸗ ſpiegel von erfriſchendem Lufthauche gekräuſelt wird.
Auch Landerer dachte in ſolchen Tagen, die ſich zu Wochen aneinander reihten, mit unbeſchreiblicher Sehnſucht an ſeine heimat⸗


