Teil eines Werkes 
50. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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Die Spuren eines Romans. 39

plätſchernden Springbrunnen verſehen, deſſen kühle Waſſerſtrahlen die Hitze in dem ſonnendurchglühten Raum milderte.

„Darf ich jetzt um Ihre Beſtimmung der Größe des Formats bitten?“

„Es iſt mir das eigentlich gleichgültig; machen Sie meinet⸗ wegen ein größeres Porträt und ein anderes für Viſitenkarten.“

„So will ich die Platten präpariren laſſen und Regnier iſt vielleicht derweil ſo freundlich, Sie durch den Anblick ſeines Bildes zu unterhalten.“

„Zu unterhalten!— Wenn das möglich iſt,“ ſagte der junge Maler, vor der Staffelei am Fenſter ſtehend.„Ich weiß nicht, ſeit ich dieſe ver—— ſeit ich Deine ſchlechte Photographie geſehen, gefällt mir auch mein Bild nicht mehr; meine römiſche Frau ſcheint wirklich mürriſch zu ſein ſtatt heiter, und die Kinder haben einen Teint, als wenn ſie ſeit vier Wochen nicht gewaſchen worden wären.—— O, ich bin recht unglücklich.“

Ehe der Photograph das Gemach verließ, ging er dicht bei Adelgunde vorüber und ſagte flüſternd:„Wenn Ihnen das Bild nicht mißfällt, ſo ſagen Sie ihm ein freundliches Wort darüber. Ich und Kenner finden es vortrefflich, er hält es für ſchlecht und das bringt ihn der Verzweiflung nahe.“

Wie Adelgunde hierauf vor das Bild trat, wandte ſich der Maler mit dem früheren mißmuthigen Geſichtsausdruck gegen das Fenſter, ſtützte den Kopf auf den Arm und blickte in die Abend⸗ landſchaft hinaus. Er ſchien nicht den Muth zu haben, in das Geſicht des jungen ſchönen Mädchens zu ſehen, während ſie ſein Bild betrachtete. Und doch hätte er es thun ſollen, unvermerkt hätte er es thun ſollen, und er würde mit Entzücken geſehen haben, wie ihr Auge leuchtete, wie ſie ſchwer und mühſam athmete, wie der Glanz höchſter Zufriedenheit auf ihren Zügen ſchimmerte.—— „Ach, das iſt ein ſchönes, ein liebes Bild!“

„Finden Sie das wirklich, mein Fräulein? Finden Sie das