Die Spuren eines Romans. 37
intereſſanten Roman geleſen, wahrhaftig einem Zauberkreiſe— alſo gab es doch einen Arthur Regnier und wohl gar in demſelben hübſchen Landgute, welches ſo kenntlich beſchrieben war. Wohnt am Ende der Photograph Herr Schellenberger zur Miethe bei dem jungen Maler Regnier und gab es vielleicht an der Rückſeite des Hauſes noch einen andern kleinen Garten, wo ſich die liebliche Gattin des jungen Künſtlers befand, ſowie Guido und Armida— — ja, ſie betrachtete ihn mit einem jener offenen, vollen Blicke, mit einem Blicke voll gefährlicher Elektrizität, welcher zündet, an⸗ zieht, verzehrt, ohne es zu wollen, unbewußt, aber um ſo tiefer wirkend.
Der junge Maler hatte es bis jetzt in der That nicht der Mühe werth gehalten, die junge Fremde näher zu betrachten, in dieſem Augenblicke aber:
„Ihr Blick, ihm zugewendet, War Blitz und Schlag zugleich.“
Er ſtrich ſich das dichte, blonde Haar aus der Stirn und begann langſam ſeine Sammetjuppe auf der Bruſt zuzuknöpfen, dann ſagte er mit einem ganz veränderten Ton der Stimme:
„Gewiß werde ich Dir helfen, wenn es das Fräulein erlaubt.“
„Es lag eigentlich gar nicht in meiner Abſicht, mich heute photographiren zu laſſen,“ meinte Adelgunde,„doch ſehe ich hier ſo viele vortreffliche Arbeiten, welche mich hoffen laſſen, endlich ein⸗ mal ein wohlgelungenes Porträt von mir zu erhalten.“
„Und wenn es die Maſchine nicht thut,“ warf Arthur Regnier leicht hin,„ſo könnte man es mit einer Zeichnung verſuchen, ich wüßte mir nichts Intereſſanteres.“ Sein Geſicht hatte während der letzten Minuten einen ganz anderen Ausdruck angenommen; der Mißmuth und der trübe Ausdruck, welcher ſeine offenen Züge vor⸗ hin beſchattete, als er jenes Blatt auf den Tiſch warf, waren gänzlich verſchwunden, ja, er nahm nun das Blatt lächelnd wieder


