36 Die Spuren eines Romans.
ſah. Er rieb ſich vergnügt die Hände, als er, vor der ſchönen Fremden ſtehend, dieſe von unten bis oben betrachtete und dann mit einem fetten Lächeln ſagte, das ſich raſch von den ſchmatzenden Lippen über das ganze Geſicht, ſogar bis hinter die Ohren ver⸗ breitete:„Das wird ein ſchönes Porträt geben, ganz zu Ihrer Zufriedenheit und der Stolz meiner Sammlung. Wünſchen Sie es als größeres Porträt oder Viſitenkartenformat?“
„Eigentlich wollte ich—“ ſagte Adelgunde,— doch fiel der Photograph raſch in's Wort:„Wegen der vorgerückten Tageszeit brauchen Sie durchaus keine Sorge zu haben, unſereins iſt nicht von denjenigen Künſtlern, die von der Stunde abhängig ſind; eigene Gewandtheit und vortreffliche Maſchinen ſetzen uns in den Stand, zu jeder Tageszeit künſtleriſch Gelungenes zu liefern, ja ich möchte gern für ein Porträt, wie das des gnädigen Fräuleins, dieß weiche, träumeriſche Nachmittagslicht den grell leuchtenden Morgenſtunden vorziehen— biſt Du nicht auch dieſer Anſicht, Regnier?“
„Regnier!“
„Verzeihung, mein gnädiges Fräulein, mein Freund Arthur Regnier, ein junger Maler, der mir zuweilen mit ſeinem ſchätz⸗ baren Rathe aushilft und den der günſtigſte Stern gerade in dieſem Augenblicke hieher geführt hat. Willſt Du nicht ſo gut ſein, uns nach oben zu begleiten und die Stellung des gnädigen Fräuleins ein wenig korrigiren?“
Der junge Maler murmelte zur Antwort etwas vor ſich hin, was ebenſogut ſeine Bereitwilligkeit erklären konnte, was aber an⸗ dererſeits auch wieder klang, als ſei er nicht vom Handwerk und wiſſe nicht, ob es der jungen Dame angenehm ſei, wenn er ſich da hineinmiſche.
Adelgunde aber konnte ſich trotzdem nicht enthalten, ihn mit unverkennbarer Theilnahme zu betrachten. Alſo wieder ſchien ſie jenem Kreiſe näher getreten zu ſein, der ſie gereizt, ſeit ſie jenen
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