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Die Spuren eines Romans. 35
langen Zipfel eines rothſeidenen Halstuches, aber auch die Abweſen⸗ heit einer Weſte ſichtbar wurden. Er ſchien hier im Zimmer Nie⸗ mand erwartet zu haben und deßhalb unſchlüſſig, ob er daſſelbe nach einer zweiten Verbeugung wieder verlaſſen oder ob er als höflicher Mann mit der fremden jungen Dame ein Geſpräch an⸗ knüpfen ſolle.—
Adelgunde aber kam ihm hierin zuvor und wandte ſich mit der Frage an ihn, ob ſie das Vergnügen habe, den Herrn des photographiſchen Ateliers vor ſich zu ſehen, worauf ein kurzes Lächeln über die mürriſchen Züge des jungen Mannes flog und er zur Antwort gab:„Nein, nein, ich habe nicht das Glück, Herr Schellenberger zu ſein,“ und dann mit einer Handbewegung gegen die geöffnete Thür hinzuſetzte:„Dort kommt dieſer würdige Greis ſelber.“
V.
Der Photograph trat herein, doch war von einem würdigen „Greiſe, als welchen ihn der junge Mann angekündigt, in der Per⸗ ſon des Eingetretenen nichts zu ſehen, aber es erſchien eine Perſön⸗ lichkeit, welche von dem im Roman geſchilderten Regnier der ſchlagendſte Gegenſatz war, ja ihrem Aeußern nach vollkommen die Berechtigung hatte, Schellenberger zu heißen. Ein kleiner, dicker Mann mit einem von Natur kupfrigen Geſichte, deſſen Röthe ſich aber bei der Arbeit droben unter dem heißen Glasdach bläulich purpurn ſchillernd hoch über ſeinen faſt ganz kahlen Schädel ver⸗ breitet hatte, eine tief herabhängende Brille auf der fleißigen Naſenſpitze und ſchlaffe Lippen, die zu einem beſtändigen Lächeln gekräuſelt waren, vervollſtändigten mit hellen, freundlichen Augen ein Geſicht, dem man die Gutmüthigkeit auf tauſend Schritte an⸗


