34 Die Spuren eines Romans.
ſchreibung unnatürlich ſchönen Landſchaften, andere Dutzend waren beſchäftigt, irgend eine mächtige Säule mit krampfhafter Anſtrengung vor dem Umfall zu bewahren, Andere befanden ſich trotz des gut⸗ müthigen Geſichtsausdrucks wie wilde Beſtien hinter ſchweren Eiſen⸗ gittern, Andere ſchienen zu luſtwandeln mit dem Stück einer ſchweren Baluſtrade in der Hand.
So hingen ſie an den Wänden umher in reichen und einfachen Rahmen, alle dieſe der Unſterblichkeit geweihten Weſen, und da⸗ zwiſchen ſah man Blumen⸗ und andere Tiſche, erſtere voll blühender Blumen, andere mit jenen zierlichen Albums bedeckt, welche die harmloſen Stammbücher von ehemals verdrängt haben und in denen man ſich jetzt ſelbſt, das heißt ſein wohl oder ſchlecht ge⸗ troffenes Bildniß, dem Freund oder der Freundin zu liebevoller Erinnerung verehrt.
Eine Zeitlang hatte ſich Adelgunde damit unterhalten, die verſchiedenen Bildniſſe zu betrachten, wohl auch in dem Gedanken, irgend ein bekanntes Geſicht zu entdecken, ohne daß letzteres der Fall geweſen wäre. Da öffuete ſich die Thür des Nebenzimmers und ein junger Mann trat heraus, ſo im Anſchauen eines Blattes, welches er in der Rechten hielt, verſunken, daß er die Anweſenheit einer fremden jungen Dame durchaus nicht zu bemerken ſchien, ja er behielt ſeinen Strohhut auf dem Kopfe, eilte an das Fenſter und erſt als er dort am helleren Lichte das Blatt in ſeinen Händen wiederholt auf's Genaueſte beſichtigt und daſſelbe hierauf mit einer unmuthigen Geberde auf einen Tiſch geſchleudert, ſah er aufblickend, daß er ſich nicht allein in dem Gemache befand, und nahm nun auch mit einer kurzen Verbeugung, bei welcher ſich aber ſeine ver⸗ drießliche Miene durchaus nicht aufheiterte, den Hut vom Kopfe. Es war das, wie ſchon geſagt, ein junger Mann und ein hübſcher Mann, etwas eigenthümlich in ſeiner Kleidung, denn er trug unter einer kurzen, ſchwarzen Sammetjuppe einen breit umgelegten weißen Hemdkragen, unter welchem vorn der Knoten um den ziemlich


