Die Spuren eines Romans. 27
ins Geſicht, ſondern ſie lächelte ihn an, als ſie vorüberſchritt— ach, und es war das ein reizendes Lächeln.
Doch erwachte in dem Stadtrath wie mit einem Male der Polizeibeamte, und da er im Hausflur hinter ſich einen ſeiner beſten Sicherheitsbeamten ſtehen ſah, allerdings einen Mann im harmloſen Civilüberrock, ſo rief er ihn an ſeine Seite und ſprach zu ihm:„Sehen Sie dort jenes Frauenzimmer, Schmauder, welches langſam die Straße hinauf ſchlendert und ſich ſo eben umſchaut.“
„Ich ſehe ſie, Herr Stadtrath.“
„Halten Sie dieſes Frauenzimmer für verdächtig, Schmauder?“
„Hm! warum nicht, Herr Stadtrath? Ich halte alle mir un⸗ bekannten Menſchen für verdächtig, ſo lange ich nicht durch ihren Paß oder durch gute Zeugenſchaft des Gegentheils überführt werde. Ich halte namentlich alle Fremden für verdächtig und ganz beſon⸗ ders alle fremden, gut gekleideten Frauenzimmer, welche ſo, wie dieſe, allein in der Stadt umherſtreifen— alſo, Herr Stadtrath, Sie befehlen, daß...“
„Daß man ein wachſames Auge auf dieſe verdächtige Perſon habe und halte, daß man ihr Leben und Treiben beobachte, daß man vor allen Dingen erfahre, wer ſie iſt und wo ſie wohne, mir darüber morgen früh———— im— Amis— lokal—— Meldung mache und dann das ganze als ſtrengſtes Amtsgeheimniß für ſich behalte, verſtanden, Schmauder?“
„Zu Befehlen, Herr Stadtrath,“ entgegnete mit der rechten Hand an ſeinen Civilhut langend das Stück Sicherheitsbehörde, welches indeſſen während dieſes kleinen Dialogs kein Auge von der harmlos luſtwandelnden Adelgunde weggewendet hatte. Dieſe hatte am Ende der Straße umgedreht und kam langſam wieder an dem Amtsgebäude vorüber, wo Herr Schmauder hinter der Thür auf ſein Opfer lauerte.
Und von dieſem Augenblicke an heftete ſich ein Polizeibeamter ge⸗ heimſter Sorte gleich einem böſen Engel an die Ferſen Adelgundens.


