Teil eines Werkes 
50. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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26 Die Spuren eines Romans.

grauen Augen, den flatternden Haubenbändern und der ſtrengen Art, das Hausregiment zu führen, ach, wie das köſtlich wäre!

In der Straße, durch welche Adelgunde ging, war ſie und der Stadtrath in dieſem Augenblick die einzigen Perſonen. Es war eine ſehr unbelebte Straße, aber voll neugieriger Leute, die von ihren Fenſtern aus mit einem wahren Heißhunger jede fremde Erſcheinung betrachteten, weßhalb es denn nicht fehlen konnte, daß das junge hübſche Mädchen mit dem elaſtiſchen Gange und der eleganten Toilette gebührende Aufmerkſamkeit erregte und zu ver⸗ ſchiedenen Muthmaßungen Veranlaſſung gab. Ja, einer verwitt⸗ weten Majorin, welche von der Natur mit einem merkwürdigen Scharfſinn begabt, war es nicht entgangen, daß die Fremde dem wohlbekannten Stadtrath immer in gleicher Entfernung folgte, daß ſie ihren Schritt mäßigte, wenn er irgendwo ſtehen blieb, ja daß er zuweilen nach ihr umſchaute.

Ei, dieſer Schmetterer, dachte die verwittwete Majorin;ja, ſtille Waſſer ſind tief, und wenn ich mich je wieder entſchließen könnte, zu heirathen, ſo dürfte es weder ein Arzt ſein, noch Je⸗ mand, der ſo mit der Polizei in Berührung ſteht.

In einem Parterrezimmer derſelben Straße waren von drei ältlichen Mädchen ähnliche Bemerkungen gemacht worden, und zwei dieſer Mädchen, von denen eine das ſchimmernd weiße Exemplar einer friſch gebügelten Halskrauſe in der Hand hielt, beugten ſich zu dem Fenſter heraus, um der Fremden und dem Stadtrath Schmetterer nachzuſchauen, welch' Letzterer jetzt die Thür ſeines Kanzleigebäudes erreicht hatte und dort einen Augenblick ſtehen blieb, um nach den an dem lichten Frühlingshimmel ziehenden Wolken aufzuſchauen. 3

Da ging das ſchöne, junge Mädchen dicht an ihm vorüber und es konnte für ihn kein Zweifel mehr ſein, daß ſie ihm mit Ab⸗ ſicht gefolgt war, daß ihre Blicke drunten an dem Schaufenſter des Bilderladens ihm gegolten, denn jetzt ſchaute ſie ihm nicht nur voll