Teil eines Werkes 
50. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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Die Spuren eines Romans.

IV.

Gern wäre Adelgunde dem Stadtrath Schmetterer in das Haus hinein gefolgt, doch ſah daſſelbe gar ſo finſter und verwahrlost aus. Es hatte ſtark vergitterte Fenſter, hinter denen die trüben Glas⸗ ſcheiben wie kranke Augen unter ſchweren Brilleneinfaſſungen au⸗ ſahen. Abgeputzt waren die Mauern dieſes Hauſes gewiß ſeit einem Menſchenalter nicht mehr geworden und ſo wechſelten an der Fronte deſſelben mit abgefallenem Kalke und hervorblickenden Mauerſteinen troſtloſe Schmutzzeichnungen ab, wie ſie volle, überlaufende Waſſer⸗ rinnen hervorzubringen im Stande ſind. Auch war der Eingang ſehr ſchwarz und unheimlich, und die Aufſchrift:Städtiſche Polizei⸗ direktion hätte ebenſogut heißen können:

Lasciate ogni speranza, voi ch'entrate.

Hätte ſie noch obendrein die ſie beobachtenden Augen des Herrn Schmauder entdeckt, ſo würde ſie wahrſcheinlich entflohen ſein der Straße, ja der Stadt. So aber ging ſie harmlos weiter, ſich freuend der kleinen pikanten Begegnung und überzeugt, daß ſie ſich mitten auf dem Schauplatze dieſes für ſie ſo intereſſanten Romans befände. 3

Wie erſtaunte aber die verwittwete Majorin an ihrem Fenſter, wie erſtaunten ſowohl die brave Bügelfrau als ihre ſechs erwach⸗ ſenen Töchter in der Arbeitsſtube des Parterrelokals, als ſie jene Fremde wieder vorübergehen ſahen, gefolgt von dem ihnen ſo wohl⸗ bekannten Herrn Schmauder, der in gemeſſenem Amtsſchritte mit der wichtigſten Amtsmiene es nicht unterlaſſen konnte, in das be⸗ freundete Parterrelogis den ſieben fragenden Geſichtern durch ein leichtes Augenblinzeln zu verrathen, daß hier etwas ganz Wichtiges im Werke ſei.

Adelgunde dagegen dankte dem Zufall, der ſie bisher ſo glück⸗ lich geführt, und da ſie ſicher war, weder die Straße zu vergeſſen, noch das trübe Haus, in welchem der Stadtrath verſchwunden war,