20 Die Spuren eines Romans.
das Häuschen lag, in welchem der junge Muſiker gewiß heute noch wohnte, o! ſie wollte es auf den erſten Blick erkennen, nur bangte ihr ſelbſt, ob ſie alsdann Feſtigkeit genug haben würde, an dem Gitterthore ſtehen zu bleiben, wenn, von lauer Luft getragen, die Töne eines jener Liebeslieder, einſtens das Entzücken Magdalenens, an ihr Ohr dringen würden.
Auch dem glücklichen Hausſtande des Malers Arthur hoffte ſie im Vorbeigehen vielleicht einen Blick ſchenken zu können; für ihn fühlte Adelgunde allerdings noch immer einiges Intereſſe, doch war auch dieſes abgeſchwächt durch ſeine Heirath mit jenem im Grunde gar zu hausbackenen Weſen, das lieber hätte reſignirt zurücktreten ſollen, als auf ſo ganz gewöhnliche Art den Flug jenes jungen Kunſtadlers zur Sonne empor zu hemmen. Eine Künſtlerehe iſt immer etwas Abſurdes, und nun gar eine Künſtlerehe, die nach kaum zwei Jahren mit beinahe drei Kindern geſegnet iſt.
Was den guten Gemeinderath Schmetterer anbelangte, dieſen biedern Vater der Stadt, ſo war es auch ſchwieriger, denſelben bei einem gewiß fingirten Namen aufzufinden, und doch hätte ihm Adel⸗ gunde ſo gerne die Hand gedrückt, hätte ihm ſo gern ihre Hoch⸗ achtung, ja ihr Entzücken ausgeſprochen über ſeinen wunderbaren Humor, über die unverwüſtliche Heiterkeit, mit der er nicht nur ernſthafte Widerwärtigkeiten des Lebens ertrug und beſiegte, ſondern womit er auch bei dem kleinen häuslichen Stecknadelkrieg, in wel⸗ chem ſeine Gemahlin, die Frau Stadträthin, ſo große Meiſterin war, nicht unterging. Aber an eben dieſer Meiſterin lag die Schwierigkeit einer Annäherung, wenn Adelgunde in der That das Glück hatte, den wohlwollenden, heiteren, gemüthlichen Schmetterer wiederzufinden, deſſen Charakter unmöglich eine Erfindung ſein konnte, ſondern vom Verfaſſer gewiß dem Leben abgelauſcht war. Ja ſelbſt in dieſem glücklichen Falle ſtand die Stadträthin da wie ein ande⸗ rer Cherub mit flammendem Schwerte, um wie im Roman Kapitel 4 Seite 164 die denkwürdigen Worte zu ſprechen:„Nur über meine


