Teil eines Werkes 
50. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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Die Spuren eines Romans. 19

ſie ſich gelobt, und würde dieſes Gelöbniß ſchon auf der Reiſe hier⸗ her bei der langweiligen Eiſenbahnfahrt gehalten haben, wenn ihr Buchhändler in der Reſidenz nicht das Exemplar eines neuen Ro⸗ mans gleich geheftet und vollſtändig aufgeſchnitten, wie es Adel⸗ gunde bei Novitäten verlangte, am Morgen ihrer Abreiſe geſandt hätte.

Ja, Adelgunde war eine jener edeln, hochherzigen Naturen, welche Novitäten nicht nur durchblättern oder zum Staat auf ihrem Tiſche liegen laſſen, ſondern dieſelben wirklich kaufte. Sie behalf ſich nicht dadurch, daß ſie arme Schriftſteller um ein Exemplar ihres neueſten Werkes, allerdings nur leihweiſe, bat, oder ein Mitglied jener gefährlichen Kette war, durch welche Bücher von Hand zu Hand wandern, ſie benutzte nicht die fettigen Einbände der Leih⸗ bibliothek, ſondern ſie war ſich ihrer geſellſchaftlichen Stellung und ihres Reichthums bewußt genug, um einzuſehen, daß man es dem Schriftſteller, der uns unterhält, auch ſchuldig iſt, wenigſtens hie und da ſeine Mühen zu unterſtützen, indem man von ſeinen Büchern kauft, ſtatt dieſelben von der ganzen Welt zuſammenzuleihen.

Daß nun der Roman, den Adelgunde während der Eiſenbahn⸗ fahrt geleſen, derſelbe hießOben und Unten das junge Mäd⸗ chen außerordentlich gefeſſelt hatte, würden wir nicht wiederholen, wenn ihr Intereſſe an den handelnden Perſonen nicht ſo groß ge⸗ weſen wäre, um hier, wo ſie ſich nach den Aeußerungen des blond⸗ gelockten Kellners am Schauplatz der intereſſanten Begebenheiten befand, den Spuren jenes Romans, falls das möglich ſei, nachzu⸗ gehen.

Und das wollte ſie allein thun, ohne Begleitung, ſich dem Zu⸗ fall und dem Glück überlaſſend, wobei ihr Herz entzückt heftiger ſchlug, wenn ſie an das alte Haus dachte mit dem gezackten, ver⸗ ſchnörkelten Giebel und mit ſeinen Bewohnern, dem philoſophiſchen Schuſter, ſowie der unnatürlichen Mutter Magdalenens. Und erſt jener Garten, jetzt im Schmucke blühender Obſtbäume, wo verſteckt