Die Spuren eines Romans. 17
——— allein auf weiter Flur, Nur eine Morgenglocke nur, Sonſt ſtille nah und fern.
Ja, allein müßte man das Alles finden, allein und zufällig, ohne durch rohe Bemerkungen und Erläuterungen enttäuſcht zu werden, ohne auf die Spuren dieſes entzückenden Romans roh hingeleitet zu werden, wie uns zum Beiſpiel ein Lohndiener zum Platze des vorjährigen großen Brandes hinführt oder uns zeigt, wo vor hun⸗ dert Jahren der letzte Galgen geſtanden.“
Ja, allein, allein muß man das auffinden, was man ſo allein mit ſich genießen will. Und um ſo den Spuren eines Romans nachzuforſchen, beſchloß Adelgunde, daran einige Tage ihrer Ver⸗ gnügungsreiſe zu wenden, denn es war ihr völlig gleichgültig, ob ſie eine Woche früher oder ſpäter auf dem Landgut ihres alten Oheims eintraf, bei welchem ſie die Sommermonate zubringen wollte. Dieſer Oheim war zugleich ihr Vormund, denn Adelgun⸗ dens Eltern waren vor einigen Jahren geſtorben, auf dieſe Art ihr einziges Kind allein in dieſer böſen Welt zurücklaſſend, aller⸗ dings unter dem Schutze dreier nicht zu verachtender Gaben: einer gewinnenden Schönheit, Verſtand, durch Herzensgüte angenehm gemacht, und eines bedeutenden Vermögens, was Alles zuſammen, beſonders das Letztere, eine Unmaſſe von Bewerbern nur um ihr Herz und ihre Hand herangezogen hatte, denn das Vermögen war eine Nebenſache all' dieſen edlen Seelen vom Livil und Militär— eine Hütte und ihr Herz war das Thema, welches ſie in allen Tonarten bei allen Veranlaſſungen mit großer Kunſt und Gewandt⸗ heit vor Adelgunden variirten.
Und ihr Herz?— Das Herz eines jungen Mädchens, em⸗ pfänglich für alles Schöne, für Natur und Poeſie vielleicht nur zu ſchwärmeriſch geſtimmt, baute es in ſeinen Phantaſieen einen Zauber⸗ wald rings um ſich her, einen Zauberwald blühender, glühender Gedanken, wo hinein ſie das Ideal jenes Weſens ſetzte, das im
Hackländer's Werke. 50. Bd. 2


