12 Die Spuren eines Romans.
könnten Dich an das abſchüſſige Ufer jenes ſtillen Waldſees führen, der, rings eingeſchloſſen von Bergen, melancholiſch unheimlich gen Himmel blickt, dort, wo der ſtille, trügeriſche Waſſerſpiegel eine unergründliche Tiefe verbirgt, auf welchem herabgefallene Blüten, zerriſſene Blumen langſam dem Ufer zutreiben, dort bei den nie⸗ derhängenden Weiden, wo die unglückliche Magdalena zum letzten Male geſehen wurde. Doch weg mit dieſen traurigen Bildern! Wir könnten Dich— um endlich zum Schluß dieſer Zeilen zu gelangen— auch an jenes kleine Haus mit dem freundlichen Garten führen, kurz vor dem Thore gelegen, wo ſich der Weg ſo maleriſch aufwärts ſchlängelt nach dem alten harzduftenden Tannenwalde; wir könnten Dich in ein Zimmer des Erdgeſchoſſes blicken laſſen, natür⸗ lich nach Norden gelegen, denn es iſt ja eine Künſtlerwohnung, und wir könnten Dir dort das glücklichſte Paar unter der Sonne zeigen: er vor der Staffelei ſtehend, ſie neben ihm in reizender Jugendfriſche, mit einer weiblichen Handarbeit beſchäftigt, während ſich der kleine zweijährige Guido auf dem Teppiche wälzt, ein altes Stück rothen Seidendamaſt, welches der Vater gerade nicht zum Malen braucht, um ſich herum geſchlungen.— Glückliche Familie! glücklich noch drei Jahre nach dem Schluſſe des Romans, ja, weit glücklicher als an jenem ſeligen Tage, da ſie ſanft erröthend ſagte: „Ich liebe Dich, mein Arthur,“ viel glücklicher! Malt doch Arthur an dem vierten Bilde einer unzähligen Reihe von Beſtellungen, wälzt ſich doch der kleine Guido in blühender Jugendfriſche auf dem Teppich umher, während draußen im Garten in Frühlingsluft, unter Blütenſchnee die einjährige Armida ſanſt ſchlummernd hin und her getragen wird, und blickt doch die holde Gattin des Ma⸗ lers auf eine an ſich unbefangene Frage Arthur's mit verſchämtem Erröthen in ihren Schooß!— Glückſelige Familie— und bei dieſem heiteren wahrheitsgetreuen Bilde wollen wir denn unſer Buch
ſchließen, geliebter Leſer, in der Hoffnung auf ein baldiges heiteres Wiederfinden!“


