Teil eines Werkes 
50. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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Die Spuren eines Romans. 13

II.

So hatte Adelgunde geleſen und ließ alsdann das Buch neben ſich auf das weiche Wagenkiſſen fallen, während ſie träumeriſch zum Fenſter hinausblickte.

Ach! wenn dieſe Schriftſteller Wirkliches, Wahres erzählten, wie ſchön wäre es, den Spuren eines ſolchen Romans folgen zu können, zu jenen glücklichen Menſchen hinzutreten, ihnen die Hand zu drücken, zu ihnen zu ſprechen: ‚Ich kenne euch ja ſchon lange, ihr lieben guten Menſchen; Sie ſind Arthur, der die ſchönen Bilder erſchaffen, Sie ſind die hartgeprüfte Eveline, jetzt ſein geliebtes Weib; da iſt Guido und Armida, und was die Zukunft anbelangt, ihr herrlichen Menſchen, ſo halte ich mich mit meinem eigenen Namen Adelgunde beſtens empfohlen.

Ein anhaltender, gellender Pfiff der Lokomotive riß ſie unan⸗ genehm aus dieſen Träumen, und als dieſer Pfiff mit einem kläglich abfallenden Tone endete, ſah ſie jenen jungen Muſiker verzweiflungs⸗ voll vor ſeinem Klavier ſitzen, nach der Thüre ſtarrend, zu welcher Magdalene nie mehr hereinzutreten im Stande war, während ſeine wild umherirrenden Finger dem gequälten Inſtrumente häßliche Diſſonanzen entlockten.

Der Eiſenbahnzug flog jetzt an Höhen vorüber, die mit Kirchen gekrönt waren, mit Kapellen oder mit ſtattlichen Villen, während hübſche Dörfer verſteckt, unter blühenden Obſtbäumen ſanft ein⸗ geſchmiegt lagen an die Vertiefungen der Berge; langgeſtreckte Ge⸗ bäude mit zahlreichen Fenſtern, mit gewaltigen Schornſteinen, häufig in einer Oaſe von ſchwarzem Kohlenſtaube ſtehend: ein un⸗ erquicklicher Anblick, und alles das mehrt ſich von Sekunde zu Sekunde bei dem ſchrillen Pfeifen der Lokomotive, und endlich ſcheinen ſich Fabriken und alle möglichen Häuſer anderer Art, Bahnhofgebäude, Lokomotiv⸗ und Gepäckſchuppen, unendlich lange Wagenreihen, Laternenpfoſten, Weichen mit ihren Wärtern zu einem