Teil eines Werkes 
49. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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Fürſt und Kavalier.

Um den Wagen des Oberingenieurs, neben welchem jetzt die beiden Damen ſtanden, hatte ſich unterdeſſen eine Gruppe ſeiner uns wohlbekannten Freunde gebildet: Saleck, Felſing und Maler Wilden, welche ihm beglückwünſchend die Hand ſchüttelten. Fürſt Georg fügte dieſen lauten Glückwünſchen noch einen heimlichen, herzlicheren hinzu, nachdem er den beiden Damen vorgeſtellt worden war und längere Zeit mit ihnen, namentlich mit Fräulein von Saint⸗Aubin, geſprochen hatte, bis der wiederholte Donner der Geſchütze dieſe Unterhaltung zerriß und Alles auf ſeinen Poſten rief.

Da die Seite, auf der man ſich gerade befand, und wo auch die Zelte zum feierlichen Empfange gebaut waren, zum benachbarten Herzogthume gehörten, ſo war es an dem ſtellvertretenden Prinzen, zuerſt dort zu ſein und den Fürſten zu empfangen. Die Lokomo⸗

tive brauste heran, hielt auf der Brücke, und die betreffenden Perſonen ſtiegen aus. Von ihnen iſt nicht viel zu ſagen, als daß 4 ſie in ſehr ſchöne, ſteife Uniformen gezwängt waren, viele Bänder und Orden zeigten, und daß der Chef, der ſtellvertretende Prinz,

in ſeiner glänzenden Uniform, vortrefflich chauſſirt und untadelhaft gantirt war, und daß er ſo durch und durch mit Würde und Selbſt⸗ bewußtſein getränkt war, daß man hätte glauben können, wo er gehe und ſtehe müſſe er feuchte Fußſtapfen hinterlaſſen. Der geneigte Leſer wird es uns erlaſſen, hier wiederholt die Empfangsfeierlichkeiten zu ſchildern, oder ihm die zweite Rede des Steinhauermeiſters niederzuſchreiben, welche rhetoriſch allerdings glänzender, aber ihrem Inhalte nach minder herzlich und gefühlvoll war. Darauf wurde unter dem Zelte vorgeſtellt, pro forma Wein und kalte Küche herumgereicht, und ſich ebenfalls pro forma ge⸗ freut, daß die herrliche Vollendung dieſes großen Werkes dieſen ſchönen und unvergeßlichen Tag herbeigeführt. Die betreffenden Beamten warfen einen Blick auf die betreffenden Uniformen der be⸗ treffenden nachbarlichen Kollegen, um betreffend die nothwendigen Ordensaustheilungen die betreffenden Vorſchläge machen zu können. Der Fürſt war während der ganzen Feierlichkeit von der aller⸗