ürſt und Kavalier.
erzürnter er winkte, um ſo lebhafter ſchwenkte der alte Steinhauer⸗ meiſter ſeine Fahne und bedeutete dabei den unten ſtehenden Mei⸗ ſtern und Geſellen der anderen Gewerke, ſich feſt um ſeine Tribüne zu ſchaaren. Dann legte er ſeine Fahne nieder und ſtreckte ſeine beiden Hände aus, um den Lärmen zu beſchwichtigen, was ihm auch nach einiger Anſtrengung gelang, und wandte ſich alsdann gegen den raſch herankommenden Oberingenieur, um mit lauter Stimme zu ſprechen:
„Hört mich, meine Freunde! Ich glaube nicht, daß Einer unter euch iſt, der mich für ſo dumm hält, als hätte ich ohne be⸗ ſtimmte Abſicht beim Herannahen unſeres verehrten Oberingenieurs, Herrn Ramberg, meine Fahne geſchwenkt. Nein, meine Freunde, das iſt mit voller und guter Ueberlegung geſchehen: wir wollen hier unſere Brücke einweihen und die Vollendung einer Bahn, an der Ihr, ehrbare Meiſter und Geſellen, und auch Ihr, brave Handlanger und Taglöhner, lang und mühevoll gearbeitet. So groß und ſchön iſt unſer Werk, daß ſeine Vollendung die Veran⸗ laſſung iſt zum Erſcheinen der Herren Fürſten des dieß⸗ und jen⸗ ſeitigen Landes. Angeordnet und befohlen war es demnach, die Feierlichkeit mit Muſik und Hoch zu beginnen, nachdem die Eben⸗ genannten erſchienen wären. Doch will es mich vielmehr bedünken, meine Freunde, daß dem Manne die erſte Feierlichkeit gebührt, der das große Werk angefangen und vollendet hat, dem Manne, von dem wir mit Stolz ſagen können, daß er aus unſerer Mitte entſprungen iſt, der wie wir den Hammer geführt und die Art, der mit uns und unter uns gelebt, der warm und menſchlich mit uns fühlend nicht nur unſer ſtrenger Aufſeher war, ſondern auch unſer aller Freund, nicht nur unſer Lehrer, ſondern auch Manchem ein Helfer in der Noth war.“
Ein zuſtimmendes Gemurmel des Beifalls, das ſich auf allen Seiten erhob, ſteigerte augenſcheinlich die Redeluſt des Steinhauer⸗ meiſters; während er ſeine Linke feſt aufſtützte, ſtrich er mit der Rechten ſeinen vollen Bart, und ſein ſcharfes Auge blickte nach dem


