Fürſt und Kavalier. 313
kränze; daneben auf der ſanft anſteigenden Thalwand faſt an der⸗ ſelben Stelle, wo Fürſt Georg und Ramberg vor einigen Tagen ihr einfaches Frühſtück eingenommen, erhob ſich ein Zelt; dort be⸗ fand ſich auch eine Muſikbande, und dort ſtanden die Förſter, Jäger und fürſtlichen Beamten. Rings umgab alles das eine buntge⸗ miſchte zahlreiche Menſchenmenge und ſchien in geſpannter Erwar⸗ tung des Augenblicks zu ſein, wo die feſtliche Einweihung vor ſich gehen würde, doch fehlten hiezu noch die allerhöchſten Herrſchaften der beiden Nachbarſtaaten, welch' letztere hier ſich die gewaltige Eiſenhand reichten.
Gegenüber der Eiſenbahnbrücke war eine kleine Tribüne er⸗ richtet, auf der man die breitſchulterige Geſtalt eines Steinhauer⸗ meiſters ſah, der durch Schwingen einer Fahne das Zeichen zum Anfang der Feierlichkeit zu geben und alsdann einen Werkſpruch zu halten hatte. Es war das ein ganz beſonderer Verehrer Ram⸗ berg's, und als er nun den Wagen deſſelben im raſchen Laufe der Pferde daherkommen, dieſe in einen Durchlaß des Eiſenbahndam⸗ mes einbiegen und nun auf der andern Seite herauskommen ſah, überzog ein joviales Lächeln ſein wettergebräuntes Geſicht, und ob⸗ gleich er wohl wußte, daß er noch eine gute halbe Stunde Zeit bis zum Beginn der Feierlichkeit vor ſich hatte, erhob er doch die Fahne und ſchwenkte ſie dreimal über ſeinem Kopfe. Das machte nun begreiflicher Weiſe die nämliche Wirkung, als ſeien die erwarteten allerhöchſten Gäſte bereits angekommen: die kleinen Kanonen auf dem alten Schloſſe Warneck, ſowie hie und da verſteckte Böller entluden ſich krachend und erweckten einen majeſtätiſchen Wiederhall in den Bergen; die Muſikbande, folgſam dem erhaltenen Programm, ſetzte die In⸗ ſtrumente an den Mund und blies die Landeshymne, unzählige Mützen und Hüte wurden geſchwenkt, und ein tauſendſtimmiges Hoch! durch⸗ ſchnitt die Luft. Umſonſt winkte der Oberingenieur, was er konnte, zum Einhalten dieſes tollen und unzeitigen Lärmens, umſonſt ver⸗ ließ er den Wagen, nachdem er die Zügel einem ſeiner Arbeiter zugeworfen, umſonſt eilte er gegen die Tribüne: je eifriger, ja, je


