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312 Fürſt und Kavalier.
elektrifirt worden, denn ſie jagten förmlich toll und wild auf der Landſtraße dahin, wobei ſie aber ihr Führer ſo feſt im Zügel hatte, daß die beiden Damen ihr Gefühl der Sicherheit nicht einen Au⸗ genblick verloren. Jetzt fuhren ſie neben der Bahnlinie hin, und gerade brauste eine bekränzte und beflaggte Lokomotive an ihnen vorüber. Die Leute auf derſelben, als ſie den bekannten Wagen ſahen, ſchwenkten hurrahrufend ihre Hüte und ließen die Maſchine anhalten und gellend pfeifen. Die beiden edlen Ungarn vor dem leichten Gefährt ſcheuten durchaus nicht, ſondern courbettirten nur ein wenig und ſchüttelten, wie ſelbſtgefällig, ihre Köpfe.
Schon hinter Warneck erſchien die Landſtraße heute nicht mehr ſo einſam, wie ſie gewöhnlich war: feſtlich gekleidete Fuß⸗ gänger, Reiter, Equipagen und Bauernwagen zogen in buntem Gemiſch alle dem gemeinſamen Ziele entgegen; rechts und links von den Höhen herab ſah man ebenfalls auf den verſchiedenen Fuß⸗ wegen größere und kleinere Trupps, welche ſich dem Thale zu be⸗ wegten. Sehr häufig erkannte einer den Ingenieur, rief laut ſeinen Namen und ſchwenkte mit ſeinen Freunden jubelnd den bekränzten Hut, oder man rief ihm ein friſches Wort der Anerkennung nach.
Bei dieſen Beweiſen von Achtung und Verehrung glänzten Viktorinens Augen, während die kleine Gräfin ſtiller und ſtiller wurde, ja häufig wie forſchend um ſich blickte, und als ihre Freun⸗ din ſie um die Urſache frug, zur Antwort gab:„Ich fühle das goldene Gitter auf meinem Nacken; es iſt mir gerade, als führen wir dem Hofe dicht voraus, ſo erregen wir die Aufmerkſamkeit, ſo grüßen die Leute, nur— zuthunlicher und herzlicher.“
„Es iſt auch etwas Königliches um die Kunſt und Wiſſen⸗ ſchaft,“ ſagte Fräulein von Saint⸗Aubin, indem ihre glänzenden Augen mit einem Ausdruck des Stolzes um ſich blickten,„und der, dem dieſe Verehrung gezollt wird, hat ſie nicht ererbt, ſondern erworben.“
———— Döort lag die neue Eiſenbahnbrücke vor ihnen, ihr neues Mauerwerk kaum ſichtbar hinter dem buntwehenden Schmuck der Flaggen und der um die Säulen gewundenen Laub⸗


