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Fürſt und Kavalier. 311
„Es iſt das ein kleines Beſitzthum in der Schweiz,“ gab Ramberg zur Antwort,„ein Schlößchen in einer reizenden Gegend, mit Feld und Wald, einem kleinen See mit herrlichem Waſſer und mit einem wunderbaren Blick auf die Hochalpen, das ich mir erworben, als ich dort in der Nähe mit der Anlage der Eiſenbahn beſchäftigt war.“
Da es gerade bergauf ging, ließ er ſeine Pferde langſam ſchrei⸗ ten und erzählte, ſeitwärts ſitzend, ſo behaglich als möglich:„Außer⸗ dem, daß mir dieſes Gut ganz beſonders gefiel, und es mir, wie vorhin bemerkt, ſchon lange am Herzen lag, irgendwo einen feſten Anker zu ſenken, der ſpäter einmal mein Lebensſchiff halten würde, hatte ich noch einen andern Grund, der mich trieb, gerade dieſes Beſitzthum zu erwerben: es hatte nämlich einer Familie Ramberg gehört, die das gleiche Wappen führt, wie meine Voreltern, und obendrein wußte ich, daß vor langen Jahren ein Zweig unſerer Familie in die Schweiz ausgewandert war,—— die Damen ken⸗ nen Edelsheim,— nun, mein kleines Gut hat ſowohl in ſeiner Lage, als auch in der Bauart ſeines Hauptgebäudes eine große Aehnlich⸗ keit mit der reizenden Beſitzung der Prinzeſſin.“
„Dann muß es allerdings ſchön ſein,“ ſagte Fräulein von Saint⸗Aubin,„ich kenne nichts Lieblicheres als Edelsheim.“
Sie hatte eben noch nachſinnend vor ſich niedergeſchaut, doch bei der Antwort, die ſie gab, ihr Auge erhoben und einen Moment in denen des jungen Mannes ruhen laſſen,— nur eine Sekunde, und doch mochte dieſer Blick ihm viel Köſtliches geſagt haben, denn er jauchzte förmlich auf, als er nun ſeine Pferde zu raſcherem Laufe antrieb und rief mit dem Ausdrucke des Glückes:„Ach und es lebt ſich dort im Süden an den Ufern der glänzenden Seen, im friſchen Grund der Wieſen unter den weißen, glänzenden Alpenhörnern ſo glücklich und frei,— Sie ſollten das einmal ſehen, gnädige Gräfin,“ wandte er ſich an die kleine, heiter lachende Hofdame,„da in der großen, gewaltigen Natur vergißt man alle Käfige und Ge⸗ fängniſſe der ganzen Welt.“
Es war als ſeien auch die beiden Pferde durch irgend etwas


