Fürſt und Kavalier. 307
bereit und warteten nur auf den Befehl des Oberſtſtallmeiſters zum Vorfahren. Die leichte Equipage des Oberingenieurs befand ſich allein ſeitwärts von der Straße, da er um die Vergünſtigung ge⸗ beten hatte, vorausfahren zu dürfen. Die Prinzeſſin Helene, welche mit Viktorine und der Gräſin Eller, deren heitere Augen heute vor Vergnügen ſtrahlten, plaudernd etwas abſeits ſtand, winkte jetzt den Oberſtſtallmeiſter zu ſich und ſagte ihm:„Lieber Rodenberg, thun Sie mir einen Gefallen— haben Sie vierſitzige Kaleſchen beſtellt?“
„Nein, nur zweiſpännige Wagen.“
„Gut, ſo ſagen Sie der Oberſthofmeiſterin, aber ſo, daß ich es hören kann, Sie hätten auf Fräulein von Saint⸗Aubin für die Ausfahrt nicht mehr gerechnet und einen Wagen zu wenig beſtellt.“
Darauf plauderten die drei Damen wieder auf's Neue zu⸗ ſammen, bis ſich gleich nachher, folgſam dem erhaltenen Winke, die lautklingende Stimme des Oberſtſtallmeiſters vernehmen ließ, der zur Gräfin Sporbach ſagte:„Ich muß noch einen Wagen beſtellen, ich hatte auf Fräulein von Saint⸗Aubin nicht mehr gerechnet.“ Auf das hin näherte ſich die Prinzeſſin, indem ſie ſprach:„Machen Sie keine Umſtände wegen meiner guten Viktorine, wir behelfen uns in meinem vierſitzigen Wagen.“
„Eure Hoheit verzeihen, ich habe des ſchönen Wetters wegen nur Phaetons und Viktorias einſpannen laſſen.“
„So weiß ich einen andern Ausweg,“ gab die Prinzeſſin zur
Antwort, nachdem ſie ſich ſcheinbar einen Augenblick beſonnen, einen
Ausweg, wogegen meine gute Oberſthofmeiſterin für dieſes eine Mal wohl nichts einzuwenden haben wird, ich habe meine Gründe dabei: laſſen wir Viktorine und die Gräfin Eller mit dem von Papa jetzt ſo ſehr protegirten Oberingenieur vorausfahren.“
„Aber Hoheit,“ ſagte die Oberſthofmeiſterin mit ſehr ernſtem Geſichte,„zwei junge Damen mit einem faſt fremden Manne, ſollte das nicht unpaſſend ſein?“
„Das iſt er aber durchaus nicht, liebe Sporbach, es iſt auch durchaus nicht unpaſſend,“ gab die Prinzeſſin lebhaft zur Antwort


