308 Fürſt und Kavalier.
und flüſterte ihr darauf neckiſch in's Ohr,„und doch noch ſchreck⸗ licher: dieſer junge Mann denkt daran, eine meiner Hofdamen für immer zu entführen.“
„Ah,“ machte die Oberſthofmeiſterin mit einer ziemlich er⸗ ſtaunten Miene,„Ihre Wünſche, Prinzeſſin, ſind mir Befehle, doch was wird Seine Hoheit zu dieſem Arrangement ſagen?“
„Geben Sie Acht, ob er es nicht wohlwollend aufnimmt.“ Sie näherte ſich lachend dem Fürſten, der ſo eben den Ingenieur auf die wohlwollendſte Art mit einem herzlichen Druck der Hand entließ, dann ſagte ſie, halb zu dieſem, halb zu jenem gewandt: „Papa, würden Sie etwas dagegen einwenden, wenn ich den Herrn Ramberg um eine Gefälligkeit bäte?“
„Im Gegentheil, mein Kind, es würde mich recht freuen.“
„Sie wiſſen, Papa,“ fuhr ſie ſchelmiſch lächelnd fort,„daß der Herr Oberingenieur und Fräulein von Saint⸗Aübin alte Bekannte ſind, die ſich vielleicht Einiges mitzutheilen haben, und da bei der heutigen Fahrt auf Viktorine nicht gerechnet wurde, ſo möchte ich den Herrn Oberingenieur bitten, ſie mit hinauszunehmen;— ſie nicht allein, Papa, Gott ſoll mich bewahren, ich könnte das vor der Gräfin Sporbach nicht entſchuldigen, und deßhalb ſoll meine kleine Eller ſie begleiten,— hätten Sie etwas dagegen einzuwenden, Papa?“
„Ganz und gar nicht; nur erſuche ich Sie, etwas raſch zu fahren,“ wandte er ſich an Ramberg,„da u wir bald hinter Ihnen drein ſein werden.“
„So gehen Sie denn mit Gott,“ ſagte die Prinzeſſin, plötzlich ernſt werdend,„und ich wünſche Ihnen alles, alles Glück.——— Etwas der Art war ich Dir ſchuldig, liebe Viktorine,“ ſagte ſie mit mildem Tone zu der jungen Dame, nachdem ſie dieſelbe von dem getroffenen Arrangement in Kenntniß geſetzt,—„und nun fort, ich werde ein wenig zögern und trödeln, damit wir nicht zu raſch nachkommen.“
Ramberg winkte ſeinem Wagen heran, und während ſein Kutſcher die Pferde hielt, half er den beiden Damen auf den innern


